Von Ost nach West

18. April 2003, 21:37
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Sars und der Irakkrieg bescheren Asien und islamischen Destinationen Einbrüche. Die große Ausnahme ist Ägypten, neben Europas Westen und der Karibik der eindeutige Gewinner der aktuellen Saison

"Im Gegensatz zu früheren Krisen gibt es so gut wie keine Stornierungen." Soviel kann Franz Leitner, Vorstand der GTT-Group (Gulet Touropa Touristik und TUI-Austria) jedenfalls festhalten. Trotz des Irakkrieges und Sars hielten die Kunden immer stärker an ihrer Destinationswahl fest, was er nicht zuletzt auf den immer besseren Informationsstand der Reisenden zurückführt. Dieser Informiertheit und einem regelrechten Frühbucherboom sei es zu verdanken, dass seine Geschäftsgruppe im Vergleich zum Vorjahr nur Einbußen von zwei bis drei Prozent zu verzeichnen habe.

Großer Gewinner bei den Destinationen ist Ägypten. Hier verzeichnen GTT einen Zuwachs von 50 Prozent. "Dieser", so erklärt Leitner, "ergibt sich zwar in erster Linie aus Buchungen im Winter, der Trend setzte sich aber auch nach Kriegsbeginn fort." Ebenfalls starke Zuwächse erführen die Ferndestinationen, hier vor allem die Karibik. Dies führt Leitner einerseits auf den für Europa günstigeren Dollarkurs, andererseits auf massive Preisabsenkungen zurück: Diese betrügen auf den Malediven bis zu minus vier Prozent, in der Karibik gar minus sechs bis acht Prozent.

Gewinner Griechenland

Ebenfalls gewinnen würde bei der GTT deren Marktführer Griechenland (plus 9,5), ebenfalls ein Plus verzeichne Spanien (plus 15 Prozent), wobei die Kanaren deutlich besser abschnitten als die Balearen. Insgesamt sei in Europa tendenziell eine Verschiebung von Ost nach West abzulesen. An einen großen Boom bei erdgebundenen Reisen glaubt Leitner auf Dauer nicht, obwohl der gruppeneigene Anbieter Terra ein leichtes Plus verzeichnet.

Dass vor allem Europas Westen gefragt ist, bestätigt auch Markus Bürger, Verkaufsleiter bei GEO-Reisen. Hier seien Spanien und Portugal die Gewinner. Bei den Neubuchungen sieht auch er einen deutlichen Trend zur Karibik, aber auch die USA selbst könnten auf Grund des schwachen Dollarkurses punkten. Buchungen in den asiatischen Raum seien natürlich "verhalten". Auch Bürger bestätigt die ungebrochene Attraktivität Ägyptens: "Dort ist es nach den Anschlägen von Luxor im November 1997 mit rigorosen Maßnahmen gelungen, ein gutes Sicherheitsimage aufzubauen."

Die Saisongewinner sind auch laut Peter Gallhofer von der airtour austria die Karibik sowie europäische Destinationen. Davon profitiere auch sein eigenes Unternehmen als Frankreichspezialist und Anbieter für maßgeschneiderte Reisen für Individualisten mit hohem Qualitätsanspruch.

Keine Stornowelle

Dass auf die aktuellen Krisen keine Stornierungswelle gefolgt sei, führt er vor allem auf die kostenlosen Umbuchungsmöglichkeiten zurück. Bei den Neubuchungen sei der Markt aber sehr wohl schwach. "Es ist sicher ein genereller Trend, dass immer später gebucht wird. Auch hier profitieren jene Veranstalter, die wie wir flexibel reagieren können und nicht an Chartertermine gebunden sind", so Gallhofer: "Was wir transportieren müssen, ist, dass man auch im letzten Moment sehr schöne, individuell zugeschnittene Reisen bekommt."

Streng ins Gericht geht er mit den Medien: "Die Menschen haben oft völlig irrationale Ängste, weil in den Medien nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind. Eine Entwarnung gibt es in den Medien nie." (tapa, Der Standard/rondo/18/04/2003)

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    foto: photodisc
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