Kunst saugt

17. Oktober 2005, 14:41
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Staubsauger fristen ein bescheidenes Dasein. In unaufregendem Design gestylt stehen sie die meiste Zeit in der Ecke. Doch manchmal werden aus Fröschen Prinzen - und Staubsauger zu Kunst erklärt

Gerade erst 100 Jahre alt geworden, fristet der Staubsauger noch immer ein kärgliches Dasein. Verbannt in irgendwelche Abstellkammern oder in dunkle Ecken ist er nur ein widerwillig geduldeter Hausgast. Schlägt die Stunde des Staubs, dann schlägt auch seine Stunde. Sind die Böden rein und ist der Teppich gesaugt, dann hat der arme Sauger seine Schuldigkeit getan. Und darf sich nicht mehr blicken lassen.

Nur manchmal erbarmt sich ein freundlicher Zeitgenosse des geschmähtesten aller Haushaltsgeräte und hebt es in die Sphären der hohen Kunst empor. Der Milbenvertilger wird dann zum Kunstverdreher, mit eigener Staubsauger-Aura und umgehängtem Preisschildchen, von dessen Höhe der Otto-Normal-Staubsauger nur träumen kann. Warum auch nicht? Pissoirs stehen bekanntlich auch im Museum. Daneben macht sich selbst ein Staubsauger nicht schlecht.

Zum Beispiel dieses tolle Hoover-Gerät, das der damals noch nicht so bekannte Jeff Koons Anfang der Achtzigerjahre unter eine Plexiglashaube stellte. So begehrenswert durfte sich wohl noch nie ein Staubsauger fühlen! Als "dreidimensionale Malerei" bezeichnete ihn sein Schöpfer, und auch wer damit nicht so viel anfangen konnte, der musste das Ausstellungsobjekt einfach zum Objekt der eigenen Begierde machen. Ein Staubsauger als Kunstobjekt! Wie locker geht da der Putzfrau die Hausarbeit von der Hand!

Überhaupt waren die beginnenden Achtziger eine gute Zeit für all jene, die schon immer an die Entwicklungsfähigkeit von Staubsaugern glaubten. Vor allem daran, dass widerwärtige Staubbeutel doch wirklich nicht sein müssen. Für sie war mit der Erfindung des heute legendären Dual Cyclone ein Traum in Erfüllung gegangen. James Dyson, so hieß der gelernte Möbeldesigner, der mit seinem Dual Cyclone in die Annalen der Staubsaugergeschichte einging, hatte die angesaugte Luft einfach in eine Art Wirbelsturm versetzt. Durch die Fliehkraft bewegten sich die Staubpartikel nach außen, riss der Wirbelsturm ab, dann fiel der Dreck zu Boden. Und wurde dort in einem einfach zu entsorgenden Behältnis aufgefangen.

Eine clevere, eine revolutionäre Idee, die den Dyson-Sauger als einzigen seiner Artgenossen in das Museum of Modern Art (MOMA) in New York katapultierte. Wer hier Eingang findet, der hat die Niederungen des Haushaltsgerätegeschäfts für immer hinter sich gelassen. Der muss nichts mehr beweisen.

Anders der neue Sauger aus den Miele-Werken: Museum hin, Museum her, ein Staubsauger ist bei Miele immer schon ein Kunstwerk. Weswegen man das neueste, nicht wirklich aus dem Rahmen fallende (Multifunktions-)Gerät aus Gütersloh ganz keck ART nennt. Was soll man dazu noch sagen? Fragen beantworten sich angesichts solch eigenmächtig verliehener höherer Weihen von selbst. Gütersloh bittet das MOMA jedenfalls dringend um einen Rückruf. (David Damian, Der Standard/rondo/18/04/2003)

Info

Der Staubsauger "Art by Miele" steht in fünf Farbvarianten zur Auswahl: Black Mystery, Hot Chocolate, Mojito, Red Roses und True Blue. Erhältlich im Fachhandel

  • Stausaugersegen dank dem "Art - Red Roses" von Miele. Laut Pressetext für die schnelle Reinigung zwischendurch gedacht
    foto: miele

    Stausaugersegen dank dem "Art - Red Roses" von Miele. Laut Pressetext für die schnelle Reinigung zwischendurch gedacht

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