Der Raum als Exponat

17. April 2003, 18:30
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Die Wiener Architektin Elsa Prochazka hat das Stadtmuseum Kitzbühel entstaubt und mit klarem, zeitgenössischen Museumsmobiliar frisch bestückt

Vor allem eines war der Wiener Architektin Elsa Prochazka wichtig, als sie den Auftrag annahm, dem Stadtmuseum von Kitzbühel ein neues Auftreten zu verschaffen: Sie wollte die vielfältige Sammlung des Touristenortes mit fast 800-jähriger Geschichte nicht in herkömmliche Vitrinen stellen, sondern die Exponate in zeitgenössisch ansprechender Museumsarchitektur präsentieren.

Das Museum Kitzbühel liegt prominent mitten in der Altstadt, ist im frisch restaurierten historischen Speicher und dem Stadtbefestigungsturm untergebracht und seit Dezember neu eröffnet. Die traditionsreiche Sammlung habe auf den ersten Blick ein wenig wie eine "Wunderkammer der Zufälligkeiten" ausgesehen, sagt Prochazka. Die Architektin strukturierte also die Schau, teilte sie in diverse Kapitel und Abschnitte und konstruierte individuelle Schau-Möbel, in der nun die Geschichte des Ortes im Spaziergang nachvollzogen werden kann.

Einen ersten Überblick verschafft dem Besucher ein "materialisiertes Inhaltsverzeichnis" in Form einer beleuchteten Schau-Vitrine im Eingangsbereich, wo je ein Referenzobjekt pro Sammlungsschwerpunkt Appetit auf mehr macht. Der Wandelweg durch die Historie führt erst einmal durch die Urgeschichte, man erfährt, dass der Raum Kitzbühel bereits um 1000 vor Christi ein wichtiges Kupferproduktionszentrum war. Über die Stadtgeschichte - das Kitz der Knappen und Zünfte, des Barock, der Bauern - gelangt man schließlich zu den ersten Wurzeln des Tourismus: Dem Wunderteam ist eine eigene Abteilung gewidmet, und unter Dach, in einem atelierartigen Raum, wird eine umfangreiche Sammlung von Werken des Malers und Architekten Alfons Walde gezeigt.

Prochazkas Museumsarchitektur will "eine formale Spange zwischen den unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkten schließen", die Materialien sind reduziert: Eisen natur, farbig gefasstes Holz und bunt emaillierte Gläser kommen zum Einsatz. "Alles sollte möglichst ohne Glassturz präsentiert werden", so die Architektin, "um die Sinnlichkeit der Objekte erfahrbar zu machen." Die Installationen sehen zum Beispiel mitunter ein wenig aus wie Kristalle und simulieren Schneehänge. Fazit: "Der Raum selbst wird zum Exponat."

Es sei ihr wichtig, so Elsa Prochazka, dass gerade in Kitzbühel, das mit seiner wunderbaren Landschaft und einem höchst kultivierten Niveau nicht umsonst zum Mythos geworden sei, bewusst werde, was das eigentliche Kapital sei, das den Tourismus nähre, nämlich "die Authentizität und nicht der zunehmende Hang zum Fake", der sich auch hier breit zu machen beginne. (uwo, DER STANDARD, rondo/18/04/2003)

  • "Dass der Raum selbst zum Exponat wird" - so lautet das Ziel der Architektin.
    foto: kitzbühler museum

    "Dass der Raum selbst zum Exponat wird" - so lautet das Ziel der Architektin.

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