Saudi-Arabien entfernt "politische Prediger" aus den Moscheen

17. April 2003, 11:59
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Wegen "politischer Aufhetzung"

Riad/Kairo - Das islamische Königreich Saudiarabien hat eine größere Anzahl von Predigern aus den Moscheen des Landes entfernt, weil sie die Gläubigen mit politischen Reden aufgehetzt haben sollen. Religionsminister Scheikh Saleh el Scheikh erklärte nach Angaben der saudischen Zeitung "Arab News" (Donnerstag), die Prediger sollten sich auf den Koran und die Überlieferungen zum Leben des Propheten Mohammed beschränken. Darüber hinaus sollten sie sich an den Lehren anerkannter Religionsgelehrter orientieren.

Offiziell wurden die Prediger entfernt, "weil sie in ihrer Amtsausübung nachgelassen haben". Die zu einem saudischen Verlagshaus gehörende und in London erscheinende arabische Zeitung "Al-Hayat" schrieb jedoch am Donnerstag, die Saudis hätten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 begriffen, dass die Prediger in einigen der von ihnen finanzierten Moscheen im Königreich und außerhalb extremistisches Gedankengut verbreiteten. Die saudischen Herrscher hätten sich nur um den Bau der Moscheen und die Organisation gekümmert, den Inhalt der Predigten jedoch vernachlässigt.

Wie viele Prediger genau entlassen wurden, erklärte der Religionsminister nicht. Das Thema ist nach Einschätzung von Beobachtern in der Region deshalb so heikel, weil das saudische Herrscherhaus nicht den Eindruck vermitteln will, sein Vorgehen gegen extremistische Prediger sei ein Nachgeben gegenüber der US-Regierung. Washington hatte nach dem 11. September entsprechende Forderungen erhoben und die Reformierung der extrem religionslastigen saudischen Lehrpläne verlangt. 15 der insgesamt 19 Flugzeugattentäter von New York und Washington waren saudische Staatsbürger. (APA/dpa)

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