Frauenrat Graz protestiert gegen Pensionsreformvorschlag

17. April 2003, 12:21
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Abhängigkeit der Frau vom "männlichen Normalerwerbstätigen" werde erhöht

Der Frauenrat Graz fordert eine unverzügliche Diskussion frauespezifischer Aspekte der Pensionsreform, die, so die Grazer Frauenbeauftragte Dani Jauk in einer Aussendung, im Kern frauen- und familienfeindlich ist, da unbezahlte Arbeit wie Kindererziehung oder Pflegearbeit mit Armut "belohnt" und die Abhängigkeit der Frau vom "männlichen Normalerwerbstätigen" erhöht werde.

Verschlechterungen

Den Durchrechnungszeitraum von 15 auf 40 Jahre zu erhöhen, bedeute, dass Frauen bis zu 50 Prozent ihrer - ohnehin geringeren - Pension verlieren würden aufgrund der Kumulierung verschiedener Umstände: unbezahlte Kinderbetreuungs- und Pflegezeiten; Teilzeitarbeit, geringe Entlohnung von prekären und atypischen Beschäftigungsverhältnissen.

Gender Mainstreaming nicht beachtet

Auch die Kinderbetreuung werde gering schätzt. Ein Ersatzzeit-Monat wird nur mit 643 Euro veranschlagt. Die Ersatzzeiten für die Kindererziehung werden zwar von 18 auf 24 Monate angehoben, allerdings erst in dreißig Jahren - weil davon nur Frauen profitieren, die das neu geschaffene Kinderbetreuungsgeld beziehen, so Jauk weiter. Die Regierung setze sich mit diesem Entwurf über ihre Aufgabe und internationale Verpflichtung des Gender Mainstreamings hinweg, weil der Entwurf ohne Einbeziehung sozialer Realitäten der Frauen gestaltet wurde und diese keineswegs als geschlechtergerecht zu bezeichnen sind.

Privatpension kein Ausweg

Auch der "Ausweg" auf die Privatisierung staatlicher Pensionsvorsorge wäre für Frauen am wenigsten einer: "Im staatlichen Pensionssystem soll gespart werden, aber die Bundesregierung fördert die private Pensionsversicherung mit 200 Millionen Euro. Damit wird einmal mehr deutlich, dass es nicht nur ums Einsparen, sondern um die Privatisierung des öffentlichen Pensionsvorsorgesystems geht. Private Pensionsversicherungen sind jedoch für jene Gruppe in Österreich, die von Armut am stärksten betroffen ist, nämlich für Alleinerzieherinnen, nicht leistbar. Zudem bekommen Frauen von den Privatvorsorgeträgern aufgrund der höheren Lebenserwartung prinzipiell weniger ausbezahlt", so Jauk abschließend. (red)

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    "Diese Pensionsreform ist frauen- und familienfeindlich, da unbezahlte Arbeit wie Kindererziehung oder Pflegearbeit mit Armut "belohnt" wird. Sollen wir diesen Entwurf als Aufforderung zum Gebärstreik verstehen?", fragt sich Dani Jauk.
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