SARS erreichte Indien

17. April 2003, 21:04
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Verdachtsfall auch in Jordanien - Singapur verstärkt Kontrollen - Temperaturmessung der Flugpassagiere mit Militärtechnologie

Neu-Delhi/Hongkong - SARS hat nun auch Indien erreicht. Die Gesundheitsbehörden bestätigten am Donnerstag einen ersten Fall der gefährlichen Lungenkrankheit. Ein 32-Jähriger aus der Region um Goa sei im Anschluss an einen Aufenthalt in Hongkong und Singapur erkrankt, sagte der Generaldirektor der Gesundheitsverwaltung, S.P. Agarwal. Unter SARS-Verdacht wird auch eine Neuseeländerin in Neu-Delhi behandelt. Auch Jordanien meldete einen ersten SARS-Verdachtsfall.

Vorwürfe an China bleiben aufrecht

Der frühere Gouverneur von Hongkong, Chris Patten, warf unterdessen den chinesischen Behörden vor, Informationen über SARS zurückzuhalten. "Ich glaube nicht, dass sie alles gesagt haben", erklärte EU-Kommissar Patten am Donnerstag bei einem Besuch in Australien. Am Vortag hatte die WHO bekannt gegeben, dass in den chinesischen Statistiken bisher nicht alle bekannten SARS-Fälle aufgeführt seien.

Temperaturmesung mit Militärtechnologie

Im Kampf gegen die gefährliche Lungenkrankheit SARS setzt Singapur jetzt auch Militärtechnik ein. Aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung der Lungenkrankheit kontrolliert nun auch Singapur Flugreisende mit Wärmebildkameras auf mögliche SARS-Symptome. Auf dem Flughafen Changi wird die Körpertemperatur bei Passagieren gemessen, die aus Risikogebieten kommen. In Hongkong werden Reisende vor einem Abflug auf Fieber überprüft.

Schwangere werden von der Arbeit freigestellt

In der ehemaligen britischen Kronkolonie wuchs die Angst vor der gefährlichen Lungenkrankheit am Donnerstag weiter an, nachdem Ärzte von weiteren Toten berichteten. Auch zwei neugeborene Kinder von Frauen, die an SARS erkrankt waren, seien in lebensbedrohlichem Zustand, sagte der Mediziner Hon Kam-lun. Die Schulbehörden boten daraufhin schwangeren Lehrerinnen eine unbezahlte Freistellung vom Unterricht an.

Virus verbreitet sich auch durch das Abwassersystem

In der Wohnanlage Amoy Gardens, in dem mehr als 300 Menschen infiziert wurden, verbreitete sich das Virus nach einem am Donnerstag vorgelegten Bericht der Behörden offenbar über das Abwassersystem, im persönlichen Kontakt und über infizierte Gemeinschaftsanlagen. Auch Ratten und Kakerlaken könnten in Einzelfällen zur Verbreitung beigetragen haben. Ein an Durchfall erkrankter SARS-Infizierter habe den Erreger in das Haus getragen.

Asiatischer Fußballverband verschob fünf Qualifikationsspiele

Der Asiatische Fußballverband verschob fünf Qualifikationsspiele für Olympia 2004 auf unbestimmte Zeit. Die Gesundheit der Spieler und Zuschauer habe Vorrang, erklärte AFC-Generalsekretär Peter Velappen. SARS-Erkrankungen sind bisher in mehr als 20 Ländern aufgetreten. Weltweit haben sich mehr als 3.000 Menschen infiziert.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Wegen der gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen von SARS senkte Singapur am Donnerstag seine Wachstumsprognose für 2003. Die Regierung rechnen mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,5 bis 2,5 Prozent; zuvor war sie von eine zwei- bis fünfprozentigen Wachstum ausgegangen.(APA/dpa)

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