Gerüchte um Spuren von Sahara-Vermissten

17. April 2003, 11:42
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Schweizer Touristen sind offenbar noch am Leben - Aufenthaltsort von elf Geiseln sei bekannt

Wien/Algier - Die in der algerischen Wüste verschwundenen vier Schweizer Touristen sind offenbar noch am Leben. Es gebe Anlass zu dieser Annahme, teilte das Schweizer Außenministerium am Mittwoch in Bern mit. Zwölf Angehörige der Vermissten waren zuvor vom Ministerium empfangen worden. Unter den seit Wochen vermissten europäischen Touristen sind neben den vier Schweizern 15 Deutsche, zehn Österreicher, ein Niederländer und ein Schwede.

Der Aufenthaltsort einiger in Algerien vermisster Touristen ist den algerischen Behörden offenbar bekannt. Wie das Magazin "Profil" berichtet, hätten Beduinen die Verschwundenen angeblich gesehen.

Leiter der Sondermission hat keine neuen Informationen

"Wir haben keine neuen Informationen zu den in der Sahara vermissten Österreichern", erklärte am Donnerstag, der Leiter der Sondermission des Außenministeriums, Thomas Buchsbaum, auf Anfrage der APA. Das Nachrichtenmagazin "profil" hatte zuvor im Vorfeld seiner Freitags-Ausgabe berichtet, dass den algerischen Behörden der Aufenthaltsort von elf Geiseln bekannt sei und dass Verhandlungen mit Entführern im Gange seien.

Information ist Ware

"So etwas hören und lesen wir seit Tagen jeden Tag", kommentierte Buchsbaum den Medienbericht. Nachsatz: "Man darf nicht vergessen: Wüstenbewohner sind primär Händler, und Information ist Ware."

Keine Variante wird ausgeschlossen

Seitens des Außenministeriums werde weiterhin keine Hypothese über den Verbleib der acht Salzburger, zwei Tiroler und auch der weiteren 21 in Südalgerien abgängigen Touristen anderer Nationalitäten ausgeschlossen, so der Sonderkommissions-Chef. Die Bandbreite der Spekulationen über das Schicksal der 31 geht von der - äußerst unwahrscheinlichen - Variante des Verirrens über ein Kidnapping durch Banditen bis hin zu einer Entführung durch politische Gruppen.

Entführung ist weiterhin nicht klar

Die Zusammenarbeit mit den algerischen Behörden sei verstärkt worden und es laufe ein Informationsaustausch auf verschiedenen Kanälen, sagte der Leiter der politischen Abteilung des EDA, Peter Suter. Unklar blieb nach wie vor, ob die insgesamt 31 in Algerien verschwundenen Touristen entführt wurden. Suter sagte lediglich, es sei "nichts ausgeschlossen".

Krisenstab

Auch die deutsche Bundesregierung geht weiterhin allen Hinweisen zu den 31 in der algerischen Sahara verschollenen Touristen nach. "Wir schließen nichts aus", bekräftigte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Donnerstag laut einem Bericht der dpa. Am Nachmittag sollte der Krisenstab für die Suche nach den vermissten Wüstenurlaubern erneut zusammentreten.

Beduinen hätten die Entführer und elf Geiseln beobachtet

"profil" schreibt, dass die Sahara-Touristen als Geiseln festgehalten werden, und zwar in zumindest zwei getrennten Lagern. Die Geiselnehmer seien durch die ständigen Überflüge von Suchmannschaften nervös geworden. Beduinen hätten die Entführer und elf Geiseln nachts beim Verlassen ihres Lagers beobachtet. Um die mittlerweile angebahnten Verhandlungen mit den Entführern abwickeln zu können, würden diese von den algerischen Behörden offiziell nicht als "Geiselnehmer" bezeichnet, so das Nachrichtenmagazin: Es sei nämlich lange geübte Praxis der algerischen Behörden, gegenüber Geiselnehmern keine Zugeständnisse zu machen.

Mögliche Erpressung

Angeblich, so "profil", sind die 15 deutschen von den 16 anderen Geiseln getrennt worden. Das nähre Spekulationen, nach denen die Aktion gegen Deutschland gerichtet und ihr Ziel sein könnte, vier in Deutschland kürzlich verurteilte algerische Terroristen aus der Haft freizupressen. (APA)

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