Pro-amerikanischer Exilpolitiker Chalabi zurück in Bagdad

17. April 2003, 08:20
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Zum ersten Mal seit dem Sturz der Monarchie im Irak 1958 wieder in der Stadt

Bagdad - Als erster führender Exilpolitiker des Irak ist der Chef des Irakischen National Kongresses (INC), Ahmed Chalabi, nach der Entmachtung von Präsident Saddam Hussein nach Bagdad zurückgekehrt. Der pro-amerikanische Politiker sei am Mittwoch in einer Autokolonne von Nassariyah im Süden des Landes in die irakische Hauptstadt gelangt, teilte Chalabis Berater Saab Sethna telefonisch mit. Chalabi sei zum ersten Mal seit dem Sturz der Monarchie im Irak 1958 wieder in der Stadt. Er wolle dort jetzt ein Büro einrichten, um für Demokratie und eine Zivilgesellschaft in seinem Heimatland zu arbeiten.

Am Dienstag hatten bei Nassiriyah rund 80 Vertreter irakischer Gruppen an Gesprächen über eine Nachkriegsordnung teilgenommen. Das von den USA und Großbritannien zusammengestellte Gremium vertagte sich jedoch, ohne zunächst greifbare Ergebnisse erzielt zu haben.

Chalabi wolle auf Dauer in Bagdad bleiben und seine Aktivitäten mit dem von den USA mit dem Aufbau einer Zivilverwaltung im Irak betrauten US-General a. D. Jay Garner abstimmen, sagte Sethna. In einer in London vom INC herausgegebenen Erklärung heißt es, Chalabi wolle sich bald mit den Anführern von vier anderen politischen Gruppen in Bagdad treffen, um einen Irakischen Führungsrat zu gründen. Darunter sei auch ein Vertreter der von Saddam unterdrückten religiösen Gruppe der Schiiten sowie zwei Vertreter der kurdischen Minderheit.

Die USA hatten Chalabi Anfang vergangener Woche an Bord eines Flugzeuges nach Nassiriyah gebracht. In einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Monde" hat Chalabi allerdings erklärt, er sei kein Kandidat für einen politischen Posten im Irak. Chalabi hatte Irak 1958 verlassen und seither im Libanon, in Jordanien und Großbritannien im Exil gelebt. (APA/Reuters)

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