Klimaprognosen durch den Blick zurück

16. April 2003, 20:28
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Leipziger Forscher: "Erdgeschichte der letzten 14.000 Jahre lückenlos dokumentiert"

Leipzig - Leipziger Wissenschaftern ist ein großer Schritt in Richtung der Vorhersage zukünftiger Klimaentwicklung gelungen. "Unsere Forschungen in Mitteldeutschland haben eine Lücke im globalen Datennetz geschlossen", sagte Martin Melles vom Institut für Geophysik und Geologie der Universität Leipzig am Mittwoch. Mit den Erkenntnissen könnten die bisher eher groben Klimamodelle wesentlich verfeinert werden. Melles warnte aber vor all zu großen Hoffnungen auf eine schnelle Umsetzung.

Bei Arbeiten im Mansfelder Land zwischen Halle und Eisleben in Sachsen-Anhalt gelang es den Forschern erstmals, die Erdgeschichte der letzten 14.000 Jahre lückenlos zu dokumentieren. Bisher habe man zwar relativ viel über die ältere Erdgeschichte in der Region gewusst, aber nicht über die jüngere Zeit. Mit Bohrungen in Seen sei es gelungen, diese Kenntnislücke zu schließen. In den Proben habe man zahlreiche Daten über die Klimageschichte Mitteldeutschlands gewinnen können. Sowohl Temperaturen als auch Niederschläge und Windrichtungen sowie Windstärken der vergangenen 14.000 Jahre seien damit dokumentiert.

Überprüfung

"In Vorhersagen werden unsere Forschungsergebnisse erst mittelfristig einfließen", sagte der Wissenschafter. Klimaforscher hätten bislang versucht, lediglich auf der Grundlage von Klimadaten vorauszurechnen. Nun könnten sie mit den neuen Daten zunächst ihre Berechnungsmodelle überprüfen. "Sie berechnen zurück und überprüfen, ob sie die von den Geologen und Geophysikern gewonnenen Ergebnisse bestätigen können", erläuterte Melles.

Bisher sei man davon ausgegangen, dass eine einfache Fortrechnung der gewonnen Erkenntnisse aus den Messungen der Klimaforscher ausreiche, um Vorhersagen über die Klimaveränderungen der Zukunft machen zu können. Dies sei jedoch nicht möglich, da man auch andere Daten heranziehen müsse. Diese könnten nun durch die Geologen und Geophysiker zur Verfügung gestellt werden. "Da wir auch Daten über die Umweltgeschichte und damit die Einflüsse des Menschen erhoben haben, kann dies jetzt mit in die Berechnungen einfließen", sagte Melles.(APA/AP)

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    Es gibt bessere Methoden als diese ...

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