Generation ohne Pension: Junge Wirtschaft gegen Altherrenpolitik

16. April 2003, 19:57
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Offener Protestbrief an Kanzler Schüssel und Vizekanzler Haupt von Peter Lehner

Ich bin 33 und Unternehmer in der Dienstleistungsbranche. Als Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft bin ich von vielen Jungunternehmern auf ihr Pensionsproblem angesprochen worden, das ja auch meines ist. Und sie haben dabei ihrem Ärger Luft gemacht. Darüber, dass über ihren Kopf hinweg eine Politik gemacht wird, für die sie die Zeche zahlen. Da geht es nicht nur um die jungen Unternehmer, sondern um alle Jungen im Land. Ich spreche also für eine Generation, nicht für eine Institution.

Wir von der Jungen Wirtschaft haben uns bemüht, junge Ideen in der "Pensionssicherungsreform" (was für ein Wortungetüm) zu entdecken. Ehrlich. Aber wir konnten sie nicht finden. Was wir allerdings finden: Der Mut, für die Jungen etwas zu tun, fehlt und: Alles bleibt bei den Alten. Insbesondere auf vier Fragen haben wir keine Antworten bekommen:

Ist da jemand?

1. Wo ist der Beitrag der - gut verdienenden - Pensionisten? Wem nützt das Gerede von "Vertrauensschutz"? Im Vertrauen, wer schützt uns? Und der "heilige" Generationenvertrag - wir haben den vorliegenden nicht unterschrieben. Wer würde auch einen Vertrag unterschreiben, bei dem ständig steigenden Zahlungen ein Händedruck als Leistung gegenübersteht?

2. Wenn man's beim Kürzen so eilig hat, warum gibt es beim Schaffen eines einheitlichen Pensionsrechts alle Zeit der Welt? Warum steigen die Beamten und die Politiker einfach immer besser aus? Warum gibt es gleiches Recht für alle nicht gleich, sondern wieder einmal irgendwann?

3. Warum wird nicht auch gleich eine Einkommens- und Gehaltsreform, also eine Neuverteilung des Lebenseinkommens diskutiert? Junge haben knappe Kassen, weil hier das Geld für die Existenz- und Familiengründung dringend benötigt wird, ältere Arbeitnehmer sind hingegen zu teuer und werden dadurch in die Frühpension oder Arbeitslosigkeit gedrängt. Zum Schluss bleibt auf jeden Fall für uns keine Pension mehr übrig. Wunderbare Aussichten.

4. Wie beeinflusst die Reform unsere Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich? Alle diskutieren jetzt über Details, wir haben uns das Stück angeschaut, das gespielt wird. Und das ist nicht neu. Die 50-plus-Generation in der Politik macht sich mit den Vertretern der 50-plus-Generation in der Bevölkerung aus, was man füreinander noch tun kann. Wie immer auf Kosten Dritter. Und die Dritten, das sind wir - die Generation 40 minus. Wir sind die Generation der Abhängigen - jetzt von unseren Eltern, später von unseren Kindern. Die Trümmergeneration eines Systems, das wir gerade fleißig mit aufbauen.

Beim jetzt vorliegenden Werk merkt man jedenfalls, wer's kreiert hat: ältere Herren, die eine schön verlaufende Karriere im öffentlichen Dienst, in Parteiapparaten oder sonstigen gemütlichen Winkeln der geschützten Werkstätte Österreich hinter sich haben. Die Zukunft aber sieht anders aus. Ganz anders. Vor allem bei Selbstständigen und Unternehmensgründern, also Menschen, die Risiko übernehmen, Motor für Jobs und Wachstum sind.

Fazit: Wir jungen Unternehmer schauen bei dieser Reform durch die Finger. Genauso wie alle anderen Jungen - Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft, Frauen in Karenz oder Teilzeitarbeit, Menschen, die länger arbeitslos waren. Wenn sich nichts ändert, dann werden wir in Sachen Generationenvertrag tun, was Unternehmer tun müssen. Wenn uns ein Vertrag viel kostet, aber nichts bringt - dann steigen wir aus. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.4.2003)

Peter Lehner, Jungunternehmer, Jahrgang 1969, verheiratet, zwei Kinder
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