Mordspur zu Milosevic

16. April 2003, 19:40
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Ehemaliger serbischer Präsident von Exgeneralstabschef belastet

Dem serbischen Innenministerium ist ein Durchbruch bei der Untersuchung mehrerer politischer Morde aus der Ära von Slobodan Milosevic gelungen. Sowohl bei der Ermordung des ehemaligen serbischen Präsidenten Ivan Stambolic und des Verlegers Slavko Curuvija als auch bei zwei Attentatsversuchen auf Oppositionsführer Vuk Draskovic führen die Spuren über Sondereinheiten des Geheimdienstes und die Militärspitze direkt zum Ehepaar Slobodan Milosevic und Mira Markovic.

Dies bestätigte auch der ehemalige jugoslawische Generalstabschef Nebojsa Pavkovic. Pavkovic, der sich wegen Verdachts der Verwicklung in den Mord an Serbiens Premier Zoran Djindjic Haft befindet, hat gestanden, dass ihm Milosevic den mündlichen Befehl erteilt habe, für einen Anschlag auf Draskovic in Montenegro einen Armeehubschrauber zur Verfügung zu stellen.

Es ist das erste Geständnis eines Insiders des ehemaligen Regimes, das den damaligen serbischen Präsidenten Milosevic direkt mit einem Verbrechen in Verbindung bringt. Pavkovic war bis 1999 Befehlshaber der im Kosovo stationierten dritten jugoslawischen Armee und könnte nun Kronzeuge im Prozess gegen Milosevic vor dem UN-Tribunal für Kriegsverbrechen in Den Haag werden.

In der größten Polizeioperation der Geschichte Serbiens sei nach dem Mord an Djindjic das organisierte Verbrechen "zerstört" worden, erklärte Innenminister Dusan Mihajlovic. Die Aktion soll ferner Armee, Polizei, Justiz und politische Strukturen endgültig von der "Milosevic-Nomenklatur" säubern. Erstmals sind in Serbien und Montenegro die Geheimdienste unter zivile Kontrolle gestellt worden. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.4.2003)

Andrej Ivanji aus Belgrad
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