Wien: Unbeteiligter bei Fahndung angeschossen

16. April 2003, 18:42
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Suche nach Einbrecher in Wien endete für Tunesier mit Polizeikugel im Bein

Wien - "Unserer Meinung nach war es ein gerechtfertigter Waffengebrauch", beurteilt Ernst Geiger, Leiter der Wiener Kriminaldirektion 1, jenen Zwischenfall am Dienstagabend, bei dem ein Tunesier von einem Polizisten angeschossen worden ist. Der Mann war als Unbeteiligter in die Fahndung nach einem Einbrecher, der auf Polizisten geschossen hatte, geraten.

Vorgeschichte

Die Vorgeschichte: Ein Kriminalbeamter hatte in Wien-Donaustadt kurz vor acht Uhr zwei Verdächtige beobachtet. Da die Gegend in der Vergangenheit bereits mehrmals von Dämmerungseinbrechern betroffen war, informierte der Mann die Funkstreife, die die beiden festnehmen sollte.

Die beiden Verdächtigen liefen davon, die Beamten hinterher, Warnschüsse abfeuernd. Einer der Männer konnte festgenommen werden, mit dem zweiten kam es zu einem Handgemenge. Er bekam die Pistole eines Polizisten zu fassen und schoss mindestens zweimal. Der Kriminalbeamte erlitt dabei einen Oberschenkeldurchschuss, sein uniformierter Kollege wurde an der Hand verletzt. Der Schütze konnte zunächst entkommen.

Personenbeschreibung passte

Eine gute Stunde später wurde bei der eingeleiteten Großfahndung ein 25-Jähriger, auf den die vage Personenbeschreibung passte, kontrolliert. Laut Kriminalist Geiger attackierte der "nicht kooperative" Tunesier den Beamten und versuchte zu fliehen. Der Ermittler zog daraufhin seine Dienstwaffe und schoss dem Flüchtenden gezielt in den Unterschenkel.

Wie sich herausstellte, war der Verwundete jedoch ein Unbeteiligter. Der Mann besitzt keine Aufenthaltsgenehmigung, die Angst vor Abschiebung könnte ein Grund für sein Verhalten gewesen sein. Der Staatsanwalt wird entscheiden, ob der Waffeneinsatz korrekt war.

Gegen 21.45 Uhr wurde schließlich der mutmaßliche Einbrecher gefasst. Eine so genannte Schusshandanalyse soll bis Donnerstagabend klären, ob er tatsächlich der gesuchte Schütze ist. (moe, DER STANDARD Printausgabe 17.4.2003)

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