Kunstfestspiele an der Salzach

16. April 2003, 20:46
posten

Qualität habe immer Saison, heißt es wieder einmal bei der 28. Kunst- und Antiquitätenmesse "Residenz" in Salzburg

Unter dem Label "Residenz" veranstaltet die heimische Händlerelite samt einigen wenigen ausländischen Kollegen bis 21. April ihre alljährliche Kunst- und Antiquitätenmesse im ehemaligen erzbischöflichen Palais im Herzen von Salzburg. Mit gemischtem Erfolg. Qualität habe immer Saison, heißt es wieder einmal.


Salzburg - Zum 28. Mal veranstaltet der Kunst- und Antiquitätenhandel an der Salzach - unter dem Label "Residenz" - bis einschließlich kommenden Montag seine eigenen, artifiziellen Festspiele. Begleitet wird die heimische Händlerelite dabei von einigen ausländischen Kollegen; den Anspruch auf Internationalität erhebt hier so oder so jeder, Aussteller wie Publikum. Unter den Flaneuren finden sich Franzosen, Deutsche, Italiener und vereinzelt auch Amerikaner. "Sehr international eben", merkt Erstaussteller Roland Widder zufrieden an.

Gemeinsam mit dem Regensburger Kunst- und Antiquitätenhandel Baumann oder der Münchner Galerie für japanische Kunst Gemini bestreitet man dieses Jahr quasi die Feuertaufe des hiesigen Marktes. Und der eine tut sich hier vielleicht leichter als so manch anderer. Das Interesse an den von Widder präsentierten Arbeiten von Herbert Ploberger, Erich Schmid und Gustav Hessing ist groß. Das Fazit nach zwei Verkäufen am ersten Wochenende: "Die Lorbeeren müssen wir uns hier schon hart verdienen", so Widder.

Etwas verloren wirkt Wolfgang Baumann, dessen Angebot das vorbeieilende Publikum kaum zu fesseln vermag. Die barocke Eckvitrine um 1750 hält der Regensburger ebenso wie den Rokokosekretär um 1760 seit nunmehr vier Jahren bereit, wie eine aufgelegte Firmenbroschüre verrät. Die einzigen Publikumsmagneten sind hier ein auf Dreikanthölzern gemaltes süddeutsches Reliefbild, das bei linker bzw. rechter Schrägansicht zwei Motive offenbart - Christus am Kreuz und als Auferstandener (1500 €) -, sowie das feine Biedermeierstück Mädchenbildnis der Louise v. Almási der Waldmüller-Schülerin Rosalia Amon (20.000 €).

Zurückhaltung diagnostiziert die auf japanische Antiquitäten spezialisierte Galerie Gemini. Das eine oder andere Stück hätte man wohl verkauft, das die Käuferbörsen öffnende Vertrauen ist ein langfristiges Projekt und muss man sich erst erarbeiten. Eine Premiere der anderen Art wird im Carabinieri-Saal geboten. Gleich neben der hochkarätigen Präsentation der internationalen Moderne - inklusive des teuersten Bildes der Messe, Picassos Le roi von 1969 für 1,7 Mio. Euro - wandelt Thomas Salis auf ursprünglichen Wegen.

Seit 25 Jahren beschäftigt er sich parallel zum Engagement bei Salis & Vertes mit dem breit gefächerten Thema Kunstconsulting: "Salis featuring Gallery Bienenstein" ist eine der gelungensten Präsentationen. Kult- und Gebrauchsgegenstände aus den Hochkulturen Afrikas, Asiens und Südamerikas mit hohem formalem Anspruch im stilvollen Miteinander mit europäischer Volkskunst in Preisklassen von 500 bis 25.000 Euro.

Generell ist die Stimmung unter den Ausstellern gut und der Besuch auch trotz herrlichen Frühlingswetters rege. 40.000 vom Veranstalter verschickte Einladungen zeigen ihre Wirkung.

Rosa Mädchen

In der dominierenden Sparte bildender Kunst wechselten bereits einige Gemälde den Besitzer. Bei Giese & Schweiger unter anderem das Mädchen in rosa Kleid von Anton Faistauer, bei Wilfried Magnet Anton Mahringers Obstgarten im Winter (44.000 €), Olga Wisinger-Florians Am Bauernhof bei Michael Kovacek oder einige Radierungen Richard Müllers bei Petra Kern (Galerie "G"). Viel Interesse verbuchen Wienerroither & Kohlbauer für Arbeiten Carl Molls, Oskar Kokoschkas und Georg Jungs. Josef Maier aus Innsbruck hält neben "einigen heißen Eisen im Feuer" bezüglich noch auszuverhandelnder Verkäufe eine wunderbare Schneelandschaft von Max von Esterle bereit.

"Qualität hat immer Saison", kommentiert Ernst Popp die starke Nachfrage an Barockmöbeln beim Kunsthaus Wiesinger, wie sich die Sektion angewandter Kunst allgemein über gute Geschäfte freuen darf. "Hervorragend" für indischen Schmuck bei Ecco Arte, "elf Hoffmann-Möbel und anderes", so das knappe Fazit von Patrick Kovacs, und Tony Subal freut sich über "stärkeres Interesse als im Vorjahr - noch auf Kategorien zwischen 3000 und 10.000 Euro eingeschränkt".
(DER STANDARD, Printausgabe, 17.4.2003)

Von
Olga Kronsteiner
  • Lange vor Alfons Walde schuf Max von Esterle (1870-1947) legendäre Schneelandschaften wie diese. Die Rarität aus 1910/15 kostet 23.000 Euro bei Josef Maier, Innsbruck.
    foto: galerie josef maier, innsbruck

    Lange vor Alfons Walde schuf Max von Esterle (1870-1947) legendäre Schneelandschaften wie diese. Die Rarität aus 1910/15 kostet 23.000 Euro bei Josef Maier, Innsbruck.

Share if you care.