Saban mit Problemen bei KirchMedia-Übernahme

16. April 2003, 18:26
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Gläubigerbanken drohen mit Rückzug aus Verhandlungen - Berlusconis Mediaset wieder im Spiel

Bei der Übernahme der Kernfirmen der insolventen KirchMedia stößt der US-Milliardär Haim Saban auf ernsthafte Probleme. Wie am Mittwoch aus Bankenkreisen verlautete, drohten mehrere Gläubigerinstitute wegen angeblich nicht eingehaltener Versprechen des Filmproduzenten, den Verkauf von ProSiebenSat.1 und den KirchMedia-Filmrechten platzen zu lassen.

Mediaset verhandle mit Saban über Partnerschaft

Ein entsprechendes Schreiben sei von der DZ Bank auch im Namen von Commerzbank, HypoVereinsbank und der Bayerischen Landesbank verfasst worden. Unterdessen erklärte die von Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi kontrollierte TV-Gruppe Mediaset, sie verhandele mit Saban über eine Partnerschaft.

Saban wolle zum ursprünglichen Angebot zurück

"Wir sind bereit, uns aus den Verhandlungen zurückzuziehen, wenn Saban sein Angebot nicht verbessert", hieß es aus Bankenkreisen. Die Institute seien irritiert über die ständigen Änderungen Sabans am Geschäftsplan für die Firmen. Saban hatte im monatelangen Poker um die KirchMedia-Kernfirmen sein Angebot immer wieder nachgebessert und damit schließlich den lange Zeit als Sieger geltenden Heinrich Bauer Verlag ausgestochen. Saban wolle nun offenbar zu seinem ursprünglichen Angebot zurück, hieß es von Bankenseite. Grundsätzlich seien die Gläubigerinstitute aber weiter verhandlungsbereit.

Saban hatte im März zunächst einen Vertrag über den Kauf der TV-Gruppe ProSiebenSat.1 geschlossen (etat.at berichtete). Wenig später folgte auch eine Vereinbarung zur Übernahme der rund 13.000 Filme und 3000 TV-Serien umfassenden Kirch-Filmbibliothek.

Auf Partnersuche

Seitdem sucht Saban Partner. Zunächst war dafür der französische TV-Sender TF1 im Gespräch gewesen. Nach französischen Medienberichten kommen die Verhandlungen über einen Einstieg des Pariser Unternehmens aber nicht voran. "Wir sprechen mit Saban, der eine Gruppe von Investoren zusammenstellt", sagte nun Mediaset-Präsident Fedele Confalonieri bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Mailand. "Die Lage ist nicht festgefahren, wir diskutieren, es gibt Vorschläge und Gegenvorschläge."

Starker Widerstand wegen Verflechtung mit Berlusconi

Mediaset hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres eine Übernahme von KirchMedia in einem Konsortium mit Lehman Brothers, der Commerzbank, der Handelsgruppe Rewe und dem saudischen Prinzen el Walid angestrebt. Vor der Insolvenz von KirchMedia Anfang April 2002 hatte ein möglicher Einstieg von Mediaset wegen der Verflechtung mit Berlusconi in Deutschland starke Widerstände hervorgerufen. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich damals gegen eine solche Variante ausgesprochen. (APA/AP)

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