Großbritannien: Livebilder mit Gesichtserkennung

16. April 2003, 18:26
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Das Mutterland der Videoüberwachung - Kameras gehören zum alltäglichen Erscheinungsbild

Großbritannien gilt als das Mutterland der Videoüberwachung. Seit 1985 gehören dort Kameras zum alltäglichen Erscheinungsbild. Fast 600 Stadtzentren werden flächendeckend von CCTV- Systemen (Closed Circuit Television) überwacht. Die Zahl der Einzelkameras wird auf 2,5 Millionen Stück geschätzt - das sind zehn Prozent des gesamten Weltmarktes.

Autogebührenkontrolle in der Londoner Innenstadt

Das jüngste großflächige System wurde erst vor wenigen Monaten zur Autogebührenkontrolle in der Londoner Innenstadt installiert.

Für das Aufstellen von Kameras zum Schutz des Eigentums braucht man keine besondere Erlaubnis, die Regierung fördert entsprechende Initiativen. Einige staatliche Kameras sind bereits mit dem so genannten "Mandrake-Gesichtserkennungssystem" ausgestattet. Damit ist es möglich, eine größere Menschenmenge binnen Sekunden mit einer digitalen Fahndungsdatei abzugleichen.

Aufklärung

Die Kameras führen immer wieder zur Aufklärung spektakulärer Verbrechen: So konnten unter anderem zwei Zehnjährige ausgeforscht werden, die einen drei Jahre alten Buben entführt und getötet hatten. Auch ein Mann, der London mit Nagelbomben terrorisiert hatte, konnte durch die Videoaufzeichnungen überführt werden.

Polizeiübergriffe

In Großbritannien werden die Videos aber auch in Beschwerdeverfahren gegen die Polizei verwendet. Jährlich kommt es dadurch zu rund 300 Verurteilungen von Exekutivbeamten, die Mehrzahl davon wegen Amtsmissbrauchs oder Körperverletzung. Die gespeicherten Filme werden in der Regel ein Monat lang aufbewahrt. (simo, DER STANDARD Printausgabe, 17. April 2003)

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