Tote bei Protesten gegen die USA

16. April 2003, 19:21
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In Bagdad sollen die "Freien irakischen Kräfte" als Hilfstruppen der USA für Ruhe sorgen. Im Norden dagegen gibt es Aufruhr in Mossul und ersten Streit in der kurdischen Opposition.

Bagdad/Mossul - Die US-Streitkräfte versuchten am Mittwoch die relative Ruhe in Bagdad zu stärken. In einem Gebäude neben dem Zentralspital schlugen die Militärs ein provisorisches Hauptquartier für die irakischen Polizeikräfte auf. 120 Exiliraker einer von den USA in Ungarn ausgebildeten Hilfstruppe rückten indes in die Hauptstadt ein. Die Mitglieder der Gruppe "Freie Irakische Kräfte" wurden in einem Vorort stationiert und sollen auf den Straßen für Ruhe und Ordnung sorgen. Erstmals seit Beginn des Krieges vor 29 Tagen besuchte auch Viersternegeneral Tommy Franks, der Oberkommandierende der Koalitionsstreitkräfte, die eingenommene Stadt.

Im Norden allerdings scheint sich die Lage wieder zu verschärfen: Das US-Zentralkommando bestätigte am Mittwoch, dass amerikanische Soldaten bei einem Feuergefecht in Mossul mindestens sieben Iraker getötet haben. Die US-Streitkräfte seien von den wütenden Irakern beschossen worden und hätten das Feuer erwidert. Der Vorfall ereignete sich bei Protesten gegen den von den USA eingesetzten Gouverneur Mashaan al-Juburi am Dienstag. Auch Mittwoch sollen G.I.s vier irakische Zivilisten erschossen und vier Polizisten verletzt haben, berichtete Al-Jazeera.

"Verstoß gegen die Abmachungen"

Zu Spannungen kam es auch in der kurdischen Opposition: Die Patriotische Unions Kurdistans (PUK) habe mit ihrem Einmarsch in der Erdölstadt Kirkuk vergangene Woche gegen alle Absprachen verstoßen, beschwert sich die Demokratische Partei Kurdistans (KDP). "Was in Kirkuk geschah, war ein Verstoß gegen unsere Abmachung", klagte KDP-Chef Massud Barzani. Denn die Peschmerga-Verbände, die vergangenen Donnerstag die nordirakische Stadt überrannten, gehörten der PUK von Jalal Talabani an und saßen schon fest im Sattel, als die KDP-Kämpfer später und in kleinerer Zahl in der Stadt ankamen.

Beide Kurden-Gruppen zogen auf Druck der Türkei inzwischen den Großteil ihrer Kämpfer aus der ölreichen Stadt ab. Doch die PUK hat einige ihrer Leute dort gelassen und sich einen "Heimvorteil" gesichert. Die Türken nahmen inzwischen Kontakt zu KDP-Chef Barzani auf, um über ein Vorgehen zur Vertreibung der PUK aus der Stadt zu verhandeln.

In Syrien indes wird nach Angaben der US-Regierung der Exchef des irakischen Auslandsgeheimdienstes, Faruk Hijasi, vermutet, der mit einem gescheiterten Attentat auf den früheren US-Präsidenten George Bush senior in Verbindung gebracht wird. Außerdem werfen die USA Damaskus den Besitz von Massenvernichtungswaffen vor.

Solche sind im Irak bisher nicht gefunden worden. Die bei Kerbela vergrabenen mobilen Labors waren laut Experten jedenfalls keine für C- oder B-Waffen geeignete. In Bagdad wurde indes das Haus der Biologin Rihab Taha durchsucht, die ein geheimes Biowaffenlabor zur Herstellung von waffenfähigem Anthrax geleitet hat. Ihr Aufenthaltsort war vorerst unbekannt.
(DER STANDARD, Printausgabe, 17.4.2003)

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