Nahost-Experte erwartet Einrichtung eines US-Protektorats

16. April 2003, 16:26
posten

Irakische Verantwortungsträger nur auf lokaler Ebene

Hamburg - Die USA werden nach Ansicht des deutschen Nahost-Experten Michael Lüders den Irak zu einem Protektorat mit einem amerikanischen Generalgouverneur an der Spitze machen. Auf lokaler Ebene werde man Irakis einsetzen, sagte der Vertreter der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung am Mittwoch im WDR. Realistisch gesehen könnte dieser Zustand zwei bis fünf Jahre dauern, "wenn nicht noch länger". Es könne durchaus sein, dass den Amerikanern die Lage im Irak politisch in den nächsten Wochen und Monaten wieder aus den Händen gleite, warnte Lüders.

Die Amerikaner müssen nach Ansicht des Irak-Experten Henner Fürtig zügig einen klaren Zeitplan für die politische Neuordnung im Irak vorlegen. "Die Amerikaner müssen auf die politischen Kräfte im Irak zugehen und sie davon überzeugen, dass sie auf ihre Unterstützung angewiesen sind. Sie müssen ihnen deutlich machen, dass die Übergabe der Macht in irakische Hände in klaren Schritten erfolgt", sagte der Wissenschaftler vom Deutschen Orient-Institut in Hamburg in einem dpa-Gespräch. "Wenn es nicht gelingt, die unterschiedlichen politischen Kräfte für eine vernünftige Übergangslösung an einen Tisch zu bringen, dann könnte der Irak ein Pulverfass werden", sagte der Experte. Erst in ein paar Wochen werde sich herausstellen, ob es der Militärverwaltung gelinge, so etwas wie Normalität herzustellen. Bei der von den USA organisierten Konferenz mit irakischen Oppositionellen bei Nassiriyah "haben eigentlich nur zweitrangige Politiker miteinander diskutiert. Das sind alles wenig ermutigende Zeichen", so Fürtig. (APA/dpa)

Share if you care.