Spät geschlüpft, groß rausgekommen

16. April 2003, 15:42
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Hormone bedingen: Nachzügler-Küken werden "forscher"

Wien - Die Letzten werden die Ersten sein: Aus den letzten Eiern im Gelege wild lebender Vögel entstehen die forschesten und damit im Überlebenskampf bestausgestatteten Tiere. Möglich machen dies um zehn bis 20 Prozent erhöhte Pegel männlicher Geschlechtshormone (Androgene), die den Eiern und damit den Küken von ihren Müttern mitgegeben werden.

Studien der Veterinärmedizinischen Universität Wien und des Konrad Lorenz Forschungsinstitutes haben nun ergeben, dass auch in Hühnereiern solche Androgene enthalten sind. Und: Die Hennen geben dem Nachwuchs die Extraportion männlicher Geschlechtshormone aus lokaler Produktion in ihren Eierstöcken mit und nicht etwa aus einem erhöhten Gehalt im Blut, wie Univ.Prof.Dr. Erich Möstl vom Institut für Biochemie der Veterinärmedizinischen Uni erläuterte.

Kehrseite der Medaille?

Ob sich aus dem Ei ein männliches oder weibliches Küken entwickelt, macht für diesen natürlichen "Macho"-Mechanismus keinen Unterschied - die Tiere werden jedenfalls "forscher", so Möstl. "In der Natur gibt es normaler Weise aber keinen Vorteil ohne Nachteil. Möglicherweise bekommen die Küken mit dem erhöhten Durchsetzungsmechanismus Defizite bei ihrem Immunsystem ab", so der Experte, der aber darauf verwies, dass hier noch weitere Studien nötig seien.

Weitere Erkenntnis der jetzt abgeschlossenen wissenschaftlichen Arbeit: Die Androgene sind in den Hühnereiern überraschender Weise nicht gleichmäßig verteilt. Sie liegen keineswegs homogen im Dotter, der Großteil davon befindet sich in der Mittelschicht, während das Zentrum der Dotterkugel und die Außenschicht nur sehr niedrige Werte der männlichen Geschlechtshormone aufweisen. Und das Eiklar ist den Untersuchungen zufolge fast Androgen-frei. (APA)

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