Mit Radikalrezepten aus der Kostenfalle

16. April 2003, 15:39
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Studie: Etablierte Airlines müssen Geschäftsmodelle überdenken und Anleihen bei Billigfliegern nehmen

Wien - Etablierte Fluglinien müssten ihr Geschäftsmodell radikal überdenken und umbauen, um im Wettstreit mit Billig-Airlines zu bestehen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des US-Beratungsunternehmens Booz Allen Hamilton. Auf den durchschnittlichen Strecken seien traditionelle Airlines mit doppelt so hohen Kosten wie die Billiganbieter unterwegs. Mit einem radikalen Umbau ihres Geschäftsmodells könnten die etablierten Carrier 70 bis 80 Prozent ihres Kostennachteils gegenüber Billigfliegern abbauen. Dabei müssten bei weitestgehender Beibehaltung des Service Anleihen bei der Billig-Konkurrenz genommen werden.

Kostensenkungen

Weltweit steckten die etablierten Fluggesellschaften derzeit in der Krise. Sie würden laufend Marktanteile an die Billig-Airlines verlieren und seien außerdem mit Konjunkturflaute, Terrorängsten nach 9/11 und den Auswirkungen des Irak-Krieges konfrontiert. Der Studie zufolge müssten traditionelle Carrier ihre Stückkosten in den kommenden Jahren um 25 bis 35 Prozent senken, um ihre Wettbewerbssituation nachhaltig zu verbessern.

Billigere Direktflüge

Die Flugpläne seien derzeit darauf ausgerichtet, möglichst viele Passagiere anzuziehen, vor allem auch zahlreiche Umsteiger, die hohe Kosten im System verursachten. Booz Allen empfiehlt daher, die Flüge besser über den Tag zu verteilen, um die Effizienz zu steigern. Sinnvoll erscheine auch eine stärkere Preisdifferenzierung zwischen Passagieren, die Direktflüge buchen, und solchen, die eine Langstrecke mit Umsteigen buchen. Laut der Studie könnten über sinkende Preise für Direktflüge mehr Passagiere gewonnen werden und die gesamten Kosten gleichzeitig deutlich gesenkt werden.

Daneben müssten traditionelle Airlines ihre Produkte standardisieren, Prozesse und Abläufe möglichst stark vereinfachen und auf die Bedürfnisse der überwiegenden Mehrheit der Passagiere ausrichten. "Ziel sollte es sein, die Standards nicht an die von Billigfluglinien anzugleichen, sondern die Differenz aufrechtzuerhalten, wo es sich lohnt, und spezielle Dienstleistungen dort anzubieten, wo Fluggäste auch bereit sind, dafür zu bezahlen", heißt es in der Studie.

Allianzen

Die Mitgliedschaft in weltweiten Allianzen stelle eine weitere Möglichkeit dar, Synergien zu nutzen und Kosten zu reduzieren. So könnten Allianzen etwa als Einkaufsgemeinschaften auftreten, um als Gruppe gegenüber Lieferanten günstigere Konditionen auszuhandeln. Fluglinien könnten sich außerdem auf gemeinsame Standards bei Computer- oder Flugzeugausstattung einigen oder Kosten reduzieren, indem die Wartung bestimmter Flugzeugtypen an einzelnen Standorten gebündelt wird.

"Das Risiko der Veränderung ist groß", resümiert Booz Allen in der Studie. Noch größer seien aber die Risiken, nichts zu tun. "Die erste Fluggesellschaft, die sich an die Umsetzung des neuen Businessmodells macht, wird den Wettbewerb entscheidend prägen. Den Vorreiter erwarten nicht nur deutlich sinkende Kosten, sondern zusätzlich auch beträchtliche Wachstumschancen." (APA)

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