UNO-Drogenkonferenz - Europol-Chef: Internet neuer virtueller Tatort

16. April 2003, 15:31
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Tätergruppen werden dadurch flexibler und anonymer

Drogenhändler bemächtigten sich in den vergangenen Jahren immer mehr den neuen Kommunikationsmitteln wie dem World Wide Web und dem Handy. "Das Internet ist ein neuer virtueller Tatort geworden", sagte Europol-Chef Jürgen Storbeck heute, Mittwoch, im Gespräch mit der APA. Zuvor meinte er in einer Pressekonferenz anlässlich der 46. Sitzung der UNO-Drogenkommission (CND), diese Art der Distribution sei eine Form des internationalen Handels, wie es jetzt jedes normale Unternehmen auch verwende.

Durch das Internet seien die Tätergruppen anonymer und vor allem flexibler geworden. "Sie können die Preise für Drogen schneller ins Internet stellen, als Sie es bei einem Dealer auf der Straße erfragen können", sagte Storbeck. Deshalb müssen die Ermittler genauso flexibel werden, um mit dieser Herausforderung Schritt zu halten.

"Wenn Sie jemanden am Stephansplatz sehen, wie er Drogen verkauft, werden Sie wissen, dass Sie zur nächst gelegenen Polizeistation gehen können", erklärte Storbeck. Im WWW werde es schon schwieriger, den Täter zu schnappen. Man brauche dazu gute Konzepte und Techniken. "Das ist ein Riesenaufwand. Auf diese Art der Kriminalität muss man sich erst einstellen", meinte der Europol-Chef. Diese Problemstellungen müsse man noch bewältigen.

Aus diesem Grund plädierte Storbeck für internationale Kooperation und Information. Um schnell handeln zu können brauche man eine End-to-End-Strategie, in die alle Betroffenen eingebunden werden, sagte der Europol-Chef. "Um die großen Drogenorganisation zu zerschlagen, brauchen wir Teamwork." Sich zu isolieren bringe nichts, meinte Storbeck.

Beim Internethandel mit Drogen erwarte man sich eher die großen Geschäfte. "Das sind nicht solche Leute wie eine Wiener Student, der für fünf Gramm Cannabis nach Amsterdam fährt", meinte Storbeck.(APA)

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