AK: 70.000 zusätzliche Arbeitskräfte

16. April 2003, 13:26
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Tumpel: Praktikanten- und Grenzgängerabkommen müssen neu überdacht werden

Wien - Rund 70.000 zusätzliche ausländische Arbeitskräfte werden den bereits angespannten heimischen Arbeitsmarkt bis 2006 durch die EU-Erweiterung belasten, befürchtet der Präsident der Arbeiterkammer (AK), Herbert Tumpel. Wegen der Beitrittsverträge und der Harmonisierung von Aufenthalt und Beschäftigung werden 47.000 Arbeitskräfte aus den Erweiterungsländern nach Österreich kommen, zusätzlich will die Regierung weitere 23.000 Praktikanten, Grenzgänger und Arbeitskräfte laut Beschäftigungsabkommen ins Land holen, präzisierte Tumpel am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Im Detail werden bereits ab 1. Mai 2004 laut AK-Berechnungen rund 12.000 Familienangehörige auf den heimischen Arbeitsmarkt drängen. Mit 35.000 zusätzlichen ausländischen Arbeitskräften rechnet die Arbeiterkammer in der Zeit zwischen 2004 und 2006. Aus den Arbeitsmarktabkommen mit den Beitrittsländern erwartet Tumpel 23.000 zusätzliche Arbeitskräfte. Derzeit gibt es Grenzgänger- und Praktikantenabkommen nur mit Ungarn.

Zahlen steigend

Die Zahlen seien steigend, so Tumpel. Vom Jahr 2000 bis 2002 sei die Zahl der Praktikanten und Grenzgänger von 1.300 auf 2.300 gestiegen und werde heuer bereits 3.200 betragen. Die Regierung habe weitere Abkommen mit Polen, Tschechien, Slowenien und der Slowakei angekündigt, die teilweise fertig ausverhandelt und unterschriftsreif seien. Die Zahl der Saisonniers hat im Vorjahr bereits 50.000 Beschäftigte betragen und müsse gesenkt werde

Die Grenzgänger- und Praktikantenabkommen müssen überarbeitet oder zurückgenommen werden, so Tumpel. Es gebe jetzt schon zu viele Praktikanten, die nichts lernen und lediglich als billige Regalschlichter eingesetzt werden und ungarische Grenzgänger, die nicht wie geplant nur im Burgenland arbeiten, sondern für österreichische Frächter als billige Lkw-Lenker quer durch ganz Europa fahren.

Situation dramatisch

Die Situation am heimischen Arbeitsmarkt sei dramatisch, so Tumpel. Im Vorjahr waren mehr als 267.000 Menschen auf Arbeitsuche, so viel wie noch nie in der Zweiten Republik. Seit Mai 2001 sei die Zahl der Jobsuchenden kontinuierlich angestiegen, gleichzeitig sei die aktive Beschäftigung zurückgegangen. Aus Vollzeitjobs werden immer häufiger Teilzeitjobs. So habe die Zahl der Teilzeitarbeiter von 2000 bis 2002 von 570.000 auf 662.000 zugenommen.

Der österreichische Arbeitsmarkt habe die Pensionsreform 2000 noch nicht verkraftet und werde bis 2004 mit zusätzlichen 20.000 Arbeitskräften belastet. Die Abschaffung der Frühpension bedeute, dass bis 2006 zusätzlich mehr als 25.000 Menschen Arbeit brauchen. Die Einschränkung bei der Altersteilzeit bringe zusätzliche 8.000 Jobsuchende auf den Arbeitsmarkt. Auf Grund der schwachen Konjunktur werden bis zum Jahr 2006 bestenfalls 43.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Diese, so Tumpel, werden praktisch ausschließlich Teilzeitjobs sein.

Als Gegenstrategie fordert die AK unter anderem 250 Mio. Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik, derzeit keine weiteren Grenzgänger- und Praktikantenabkommen mit den osteuropäischen Nachbarländern und wirksame Strafen gegen Schwarzunternehmer. (APA)

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