Heimische Betriebe verschlafen Erweiterung

17. April 2003, 13:27
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Industrie: Zu wenige Österreicher beherrschen die wichtigen Ostsprachen - Steuern und Lohnnebenkosten werden nach der Erweiterung zu existenziellen Fragen

Wien - "Die heimische Industrie hat noch etliche Hürden zu bewältigen, wenn sie in den neuen Beitrittsländern erfolgreich sein will", sagte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Lorenz Fritz, vor Journalisten. Österreich müsse sich im Wettbewerb noch besser positionieren und neue Stärken überlegen. Außerdem, so Fritz, seien die Österreicher Ostsprachenmuffel. Der IV-Generalsekretär etwas konkreter: "Wir haben es bisher verabsäumt, in den Schulen Ostsprachen zu forcieren. Das Resultat: Wir haben zu wenig Arbeitskräfte mit Fremdsprachenkenntnissen, die wir in die Beitrittsländer entsenden können."

Großer Bedarf

Die IV hat außerdem zum Thema "ost- und mitteleuropäische Spracherfordernisse" eine Umfrage unter 150 österreichischen Betrieben, die in Mittel- und Osteuropa tätig sind, durchgeführt. Fast unisono meldeten die befragten Unternehmer großen Bedarf an Mitarbeitern mit Tschechisch-, Russisch-, Ungarisch- und Polnisch-Kenntnissen. Gleich 63 Prozent sprachen sich dafür aus, dass an berufsbildenden höheren Schulen die "Ost-Sprachkenntnisse" ausgebaut werden sollten. Nur 0,9 Prozent aller Schüler lernen derzeit eine Ostsprache.

"Politisches Projket"

Für Christian Helmenstein vom IHS ist "die Erweiterung kein wirtschaftlich motiviertes Projekt, sondern ein politisches. Steuern, Lohnkosten und Sozialabgaben zählen ab dem kommenden Jahr zu den entscheidenden Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Betriebe gegenüber den neuen EU-Mitgliedern bestimmen werden."

Große Chancen

Die Tatsache, dass nach dem Beitritt in den Nachbarländern massiv gefördert werden kann, beinhaltet für Helmenstein große Chancen: Der Löwenanteil der geförderten Investitionen werde sich im Infrastrukturbereich abspielen, österreichische Firmen könnten dabei "massiv partizipieren". Einzelne Branchen vor allem in den Grenzgebieten würden freilich unter Druck kommen, räumte Helmenstein ein. Er nannte als Beispiel das Baunebengewerbe, die Textilindustrie, Teile der Autozulieferer und die Baustoffindustrie. (Judith Grohmann, DER STANDARD, Printausgabe 17.4.2003)

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IHS

IV

  • Wollen die heimischen Betriebe in der erweitereten EU erfolgreich sein, so gilt es laut Industriellenvereinigung, noch einige Hürden zu bewältigen.
    montage: derstandard.at

    Wollen die heimischen Betriebe in der erweitereten EU erfolgreich sein, so gilt es laut Industriellenvereinigung, noch einige Hürden zu bewältigen.

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