Finanzmärkte: Kein Grund zur Euphorie

16. April 2003, 11:56
posten

Börsenexperte zweifelt an Nachhaltigkeit der aktuellen Kursanstiege

München - Nach dem weitgehenden Ende der Kämpfe im Irak besteht nach Einschätzung des deutschen Finanz-Experten Wolfgang Gerke kein Grund für Euphorie an den Börsen. "Wenn keine Hiobsbotschaften kommen, werden die Kurse mittelfristig wieder nach oben gehen", sagte der Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Nürnberg-Erlangen der dpa in München. Es müsse aber auch mit Rückschlägen gerechnet werden, wenn beispielsweise die Krise auf Syrien übergreife. "Ich bin mir noch nicht so sicher, ob der aktuelle Anstieg hält."

In den vergangenen Tagen hatten die Kurse deutlich zugelegt. Am Mittwoch stieg der Deutsche Aktienindex DAX um zeitweise zwei Prozent auf 2890 Punkte. Besonders Versicherungen und Banken profitierten derzeit von der Entspannung, da sie wegen ihrer dicken Aktienpakete direkt am Börsengeschehen beteiligt seien, sagte Gerke. Auch die ölabhängige Industrie, besonders die Chemiekonzerne, gehöre zu den Gewinnern am Parkett.

Mittelfristig ist Gerke optimistisch. Die Gefahr einer jahrelangen Lethargie und schwacher Börsenumsätze sieht der Experte nicht. "Die Kurse sind so tief gefallen, und das Aufholpotenzial ist so groß, dass das mit Sicherheit nicht passiert." Nach der Beruhigung der Lage im Nahen Osten würden jetzt Unternehmensdaten bei der Bestimmung der Aktienkurse wieder eine größere Rolle spielen.

Auch wenn die Bankaktien zuletzt stark zulegen konnten, ist die Branchenkrise nach Einschätzung Gerkes noch nicht überstanden. Die Kreditinstitute konzentrierten sich zur Zeit zwar wieder auf ihr Kerngeschäft und auf die Geschäftsteile, die tatsächlich Gewinne abwerfen. Erfolge seien aber nicht kurzfristig zu erwarten. "Es dauert noch ein bis zwei Jahre, bis die neue Strategie in den Bilanzzahlen sichtbar wird." (APA/dpa)

Share if you care.