Aufsichtsräte von Olivetti und Telecom Italia billigten Fusion

16. April 2003, 11:53
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Neue Olivetti-Telecom Italia-Gruppe mit 40 Mrd. Euro Schulden - Kleinaktionäre üben heftige Kritik

Die Aufsichtsräte der Telecom Italia (TI) und der Muttergesellschaft Olivetti haben der Fusion der beiden Unternehmen "Grünes Licht" gegeben. Wie die beiden Konzerne in einer Pressemitteilung berichteten, wird somit die Beteiligungsstrukturen in dem Konglomerat Pirelli-Telecom Italia wesentlich vereinfacht. Die neue Olivetti-Telecom Italia-Gruppe hat einen stolzen Schuldenberg von 40 Mio. Euro. Die Telecom Italia ist mit 14,8 Prozent an der Telekom Austria beteiligt.

Den Plänen zufolge wird nun Telecom Italia in Olivetti aufgehen, indem jeweils sieben Olivetti-Aktien in eine Telecom-Aktie getauscht werden. Dabei wird die Finanzholding Olimpia statt bisher 27 Prozent an Olivetti künftig nur noch 15 Prozent an der vereinten Gesellschaft Olivetti-Telecom Italia halten. Außerdem soll der 60-prozentige Olympia-Eigentümer, der Reifen- und Kabelhersteller Pirelli SpA, mit seiner Mutter Pirelli & C. verschmolzen werden.

Pirelli steht unter Kontrolle des Industriellen Marco Tronchetti Provera, der Olivetti und deren Tochter Telecom Italia im Juli 2001 übernommen hatte. Die Umstrukturierung ist laut Tronchetti eine wesentliche Operation in Hinblick auf eine Vereinfachung der Kontrollkette, eine Optimierung der Kapitalstrukturen und eine Erhöhung der Flexibilität.

Nach der Fusion ist die neue Olivetti-Telecom Italia mit Nettoverbindlichkeiten von rund 40 Mrd. Euro belastet. Bisher hatte die TI allein 18 Mrd. Euro Schulden in den Büchern stehen. Bis 2004 sollen die Gesamtschulden auf 34 Mrd. Euro reduziert werden. Unter anderem rechnet Tronchetti durch die Fusion mit Steuersynergien in Höhe von rund vier Mrd. Euro in den nächsten fünf Jahren.

Heftige Kritik löst die Verschmelzung von Telecom mit Olivetti bei Kleinaktionären aus. Diese hatten bereits zuvor versucht, das Telecom-Management zu einer Überarbeitung seiner Pläne zu bewegen. Das Brüsseler Rechtsanwaltsbüro Deminor, das Telecom-Kleinaktionäre vertritt, hatte in einem offiziellen Schreiben Tronchetti Provera aufgefordert, den Tauschkurs noch zu überdenken. Zudem warnten Deminor vor Interessenkonflikten bei Tronchetti, der zugleich Chef von Pirelli und Olivetti sei. Tronchetti lehnte dies ab.(APA)

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