Was links war

16. April 2003, 19:29
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16.4.2003 - Eine vierteilige Dokumentation von Andreas Christoph Schmidt geht der Frage nach: "Was war links?"

In Bayern sei es nicht weit hergewesen mit der Rebellion, erzählt Christian Semler, Redakteur der Berliner "taz", früher Vorsitzender der maoistischen Kommunistischen Partei Deutschlands. Obwohl die 68er-Bewegung auch vor dem Freistaat nicht Halt machte, habe es doch an politischem Hintergrund gefehlt. "Was war links?", fragt Andreas Christoph Schmidt in seiner Mittwoch beginnenden vierteiligen Dokumentation (21.00, 3sat).

Warum München in den 60er-Jahren weniger politisch war als etwa Frankfurt oder Berlin? Wegen des Freizeitangebots, glaubt Semler. Skifahren, Schwimmen im Starnberger See als Draufgabe zur Faschismus auslöschenden Musik.

Die Studentenbewegung in München veränderte "das System" mit Musik und Haarschnitt. Deshalb war auch sie links. Man nehme zum Beispiel die auf Papyrus übertragene Geschichte des ägyptischen Zimmermannes, erklärt der Historiker Ernst Nolte "von dem wir wissen, dass er sagte: Ich bin es leid, den ganzen Tag die Bretter umherzuschleppen, der Wesir soll seine Bretter selber tragen." Für Nolte ist der Aufmüpfige ein Linker.

Schmidt erzählt die Ideengeschichte der "blauen Bände" (die DDR-Ausgabe von Marx' Schriften war in Blau gehalten) lebendig und kontrovers. Er interviewte Zeitgenossen wie Hans Magnus Enzensberger, Klaus Theweleit, Barbara Sichtermann, Rüdiger Safranski oder Harun Farocki. In Archivaufnahmen kommen Adorno und Horkheimer zu Wort. Klare Definitionen liefert Schmidt nicht. Gut so. (prie/DER STANDARD, Printausgabe vom 16.4.2003)

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