Direktoren klagen über Budgetkatastrophe

16. April 2003, 13:49
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Die Basisabgeltungen für die Bundesmuseen und -theater werden laut Gehrer nicht erhöht - Hart betroffene Albertina plant Personalabbau

Wien - Einwändig steuern die staatlichen Hochkulturtanker auf bedrohliche Riffs zu: Die seit Jahren "gedeckelten" Basisabgeltungen für die Bundestheater und -museen sollen auch 2003 und 2004 nicht erhöht werden. Dies gab Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) im Gespräch mit dem STANDARD bekannt.

Denn die generelle Linie der Regierung laute, keine zusätzlichen Mittel zu verteilen. Die Bundesmuseen und -theater kämen angesichts der gegenwärtigen Situation sogar recht gut davon: Da die Basisabgeltungen gesetzlich verankert sind, seien sie nicht - wie die Universitäten und wie viele andere Kultureinrichtungen - von der fünfprozentigen Bindung im Bereich der Ermessensausgaben betroffen.

Die Museumsdirektoren sprechen dennoch von einer "Katastrophe". Schließlich hatte eine Studie ergeben, dass ein budgetärer Mehrbedarf von rund 40 Prozent bestehe, um die Häuser in der gewohnten Qualität führen zu können. Wilfried Seipel, Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, will zwar "nicht gleich in Panik verfallen", befürchtet aber, Ausstellungen absagen zu müssen.

Am härtesten ist die Albertina betroffen: Ihr Anteil am Kuchen wurde beschlossen, als das Palais geschlossen war. Mit der Wiedereröffnung vor einem Monat schnellten die Betriebs- und Personalkosten in die Höhe. Auch deshalb, weil Direktor Klaus Albrecht Schröder zwei Wechselausstellungshallen errichten ließ.

Gehrer hält entgegen, dass Schröder diese Flächen mithilfe von Sponsorgeldern erschloss. Er hätte sich daher auch zu überlegen gehabt, wie er diese zu bespielen gedenke: Die Zeiten einer normativen Kraft des Faktischen, als man alles auf die Politik abwälzen konnte, seien, sagt Gehrer, vorbei. Schröder hätte zudem genau gewusst, mit welcher finanziellen Ausstattung er die Albertina übernehmen würde.

Katastrophale Auswirkungen im künstlerischen Bereich hätte eine Nichtanhebung der Basisabgeltung auch für die Bundestheater, die seit 1995 mit 133,6 Millionen Euro jährlich auszukommen haben. Bereits in Prä-Euro-Zeiten hatte Georg Springer, Chef der Holding, zusätzliche 100 Millionen Schilling gefordert. Und erst Ende Jänner erklärte er, dass auch eine Indexanpassung unabdingbar wäre, weil eine drohende Erhöhung der Bezüge nicht verkraftbar sei.

Von einer definitiven Absage weiß Springer aber derzeit (noch) nichts: "Wir sind weiter guter Hoffnung." Er muss aber eingestehen, dass diese nicht sehr realistisch ist. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 16.04.2003)

Albertina plant Personalabbau

Oben stehenden Bericht bestätigte Ulrike Rauch-Keschmann, die Pressesprecherin von Bildungsministerin Gehrer, am Mittwoch: Eine Erhöhung werde es frühestens 2005 geben.

"Offenbar hat sich die Beamtenschaft des Finanzministeriums gegen jene des Bildungsministeriums durchsetzen können," kommentierte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder am Mittwoch: Eine Zusage über eine Erhöhung um 2,1 Mio. Euro "hat offenbar nicht gehalten, das ist in hohem Maß bedauerlich. Natürlich muss ich nun darauf reagieren." Die Folgen: "Wir werden einen Personalabbau vornehmen und alle jene Leistungen, die nicht positive Deckungsbeiträge bringen, stark reduzieren". So müssen möglicherweise für die Forschung wichtige Sammlungskataloge entfallen, der Studiensaalbetrieb soll eingeschränkt werden, wichtige anstehende Restaurierungen etwa bei Dürer-Blättern werden - "trotz Gefahr in Verzug" - nicht gemacht werden können.

Gehrer-Sprecherin Ulrike Rauch-Keschmann betont, man sei mit dem Albertina-Direktor nach wie vor in Gesprächen. Einem erhöhten Geldbedarf seines Hauses könne man allenfalls über Sonderfinanzierungen nachkommen. Schröder: "Dazu kann ich nichts sagen. Die Sektionsleiterin hat mich angerufen und gesagt: Das Geld, das wir erwartet haben, kommt nicht. Punkt. Wenn das Geld nicht da ist, muss man Leistungen zurückfahren, das ist klar." (APA)

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    Feinschliff in der Albertina nun als Nachteil

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