Nicht jeder braucht einen Geschäftsführer

15. April 2003, 18:55
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Landesrechnungshof empfiehlt: Beschäftigungsprojekte sollen zusammenarbeiten

Bregenz - Wer auf dem so genannten ersten Arbeitsmarkt "schwer vermittelbar" ist, bekommt in Beschäftigungsprojekten die Chance zur Qualifizierung. Die Palette der geförderten Arbeitsplätze ist bunt. Sie reicht von der Waldpflege und Altkleidersortierung über Tischlerei und Schlosserei bis zur Mikroverfilmung.

Ebenso heterogen wie die Zielgruppe ist die Trägerschaft der Projekte. "Es gibt zu viele Träger, die Kooperation ist nicht ausreichend, die Strukturkosten sind zu hoch" - zu diesem Fazit kommt Herbert Schmalhardt, Leiter des Landesrechnungshofes, nach Prüfung der Vorarlberger Beschäftigungsprojekte.

5,9 Millionen Euro

Neun verschiedene Träger bemühen sich in unterschiedlichen Projekten, Langzeitarbeitslose und schwer vermittelbare Menschen für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren und vorübergehend zu beschäftigen. 217 solcher Transitarbeitsplätze und 44 "Schlüsselkräfte", das ist speziell geschultes anleitendes Fachpersonal, wurden im Vorjahr gefördert. Ein Viertel konnte vermittelt werden.

5,9 Millionen Euro stellten Arbeitsmarktservice (AMS), Land Vorarlberg und Sozialfonds für die Projekte zur Verfügung. Den Löwenanteil von 75 Prozent trägt das AMS.

Verwaltungskosten einsparen

Durch verstärkte Kooperation könnten die Projekte Verwaltungskosten einsparen, meint der Rechnungshof. Denn etwa 30 Prozent der Projektbudgets gingen für Strukturkosten auf, finanziert werden müssen diese aus Eigenmitteln der Projekte.

Aber nicht jede Initiative brauche eine eigene Geschäftsführung oder ein eigenes Rechnungswesen, kritisiert Schmalhardt. Die Fördergeber sollten Kooperationen einfordern.

Ein Transitarbeitsplatz wird maximal ein Jahr lang gefördert. Bei der gängigen Evaluierung von Beschäftigungsinitiativen werde dann lediglich auf die Zahl der Vermittelten geachtet, kritisiert Herbert Schmalhardt und plädiert für eine Langzeitevaluierung: "Dabei geht es weniger darum, wie viele Menschen vermittelt wurden, sondern wie lange die Menschen dann tatsächlich im Arbeitsprozess waren." Die Erfahrung zeige, dass ein Teil der Klienten länger betreut werden sollte, empfiehlt der Landesrechnungshof die Anpassung des Fördersystems. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 16.4.2003)

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