Analysten sehen Heineken als Favoriten bei BBAG-Übernahme

15. April 2003, 18:18
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Im Kampf um die Mehrheit am größten österreichischen Getränkekonzern sollen bereits Ende April ein Käufer und die neue Struktur feststehen

Wien - In den Augen österreichischer Aktienanalysten hat bei der Brau-Beteiligungs-AG (BBAG) zurzeit Heineken die Nase vorn: Um Marktanteile zuzukaufen, wäre die offiziell bindungswillige BBAG "äußerst interessant" für den niederländischen Brauriesen Heineken - vor allem in Osteuropa, sagt die Analystin der Raiffeisen Centrobank (RCB), Sonja Kaltenbacher.

Die Aktienexpertin geht von einer Abspaltung der Immobilien und der alkoholfreien Getränke (Gasteiner, Pago) aus. Damit stünde der Einstieg eines strategischen Partners bei der Tochter Brau Union mit der Option auf über 50 Prozent zur Debatte, so die RCB.

Entscheidende Sitzungen

Aus Aktionärskreisen ist zu hören, dass Heineken von der Firmenkultur gut passen würde. Die anderen vier Bieter dürften jene vier Bierkonzerne sein, die außer Heineken - der drittgrößten Braugruppe der Welt - größenmäßig noch vor der BBAG in Europa rangieren: South African Breweries/ Miller (GB/USA) ,Interbrew (B), Carlsberg (mit den Dänen wurde schon einmal über ein Joint Venture verhandelt) sowie Scottish & Newcastle (GB). Bei der BBAG wird jeder Zeitdruck dementiert, doch Aktionärskreise sprechen von entscheidenden Sitzungen in der kommenden Woche, sodass Anfang Mai der Käufer feststehen sollte. Dieser wird in einer Auktion ermittelt.

Eine Grobindikation für einen Kaufpreis entstünde aus zuletzt getätigten Übernahmen der Branche: Es seien je nach Attraktivität des jeweiligen Unternehmens im Jahr 2002 EV/Ebitda-Multiples (Unternehmenswert/Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) in der Bandbreite von acht- bis 15-fach bezahlt worden. RCB-Expertin Kaltenbacher sieht die gesamte BBAG bei achtfach. "Das wäre für beide Seiten vertretbar." Derzeit sei die BBAG mit einem Multiple von 5,7-fach auf Basis der Schätzungen 2003 angesetzt.

"Strategische Prämien"

Deutsche-Bank-Analyst Roland Neuwirth hält auch Heineken für den "wahrscheinlichen Partner" für die BBAG - "vom geografischen und strategischen Fit". Darüber hinaus könnten sich die Niederländer den Einstieg am ehesten leisten. Zum möglichen Preis nannte er ein "realistisches" EV/Ebitda-Multiple von neun-bis elffach.

Wichtiger sei, so Erste-Bank-Analystin Gudrun Egger, "ob aus dem Verkauf ein Pflichtangebot an den Streubesitz abzuleiten ist". Sollten die Eigentümerfamilien der BBAG-Gruppe nur einen Minderheitsanteil verkaufen, unterblieben "strategische Prämien". (APA, szem, DER STANDARD, Printausgabe 16.4.2003)

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    Charlene de Carvalho, Tochter des Anfang des Vorjahres verstorbenen Freddy Heineken, könnte bald auch beim größten heimischen Bierkonzern ein Wort mitzureden haben.

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