US-Schüler aus Rache erschossen

15. April 2003, 17:18
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In einer voll besetzten Turnhalle feuerten Jugendliche mehrere Schüsse in Kopf und Körper eines Fünfzehnjährigen ab

New Orleans - Vor den Augen von zweihundert Mitschülern ist ein fünfzehn Jahre alter Bub in einer Schule in New Orleans praktisch "hingerichtet" worden. Die drei mutmaßlichen Täter waren am Montag mit einem Sturmgewehr und einer Pistole in die voll besetzte Turnhalle eingedrungen und hatten Jonathan Williams mehrfach in Kopf und Körper geschossen. Drei Mädchen wurden von Streifschüssen getroffen.

Bei der panischen Massenflucht wurde eine weitere Schülerin durch Tritte schwer verletzt. Die Polizei nahm die mutmaßlichen Täter im Alter von 17 bis 19 Jahren noch am Montag fest. Wie es hieß, wollten sie sich für einen Mord am 7. März rächen. Der 17-jährige Leon Myles kannte das Opfer: "Er war in Ordnung. Es war wahrscheinlich eine Bandenangelegenheit."

Wegen Mordes angeklagt

Die Verdächtigen wurden wegen schweren Mordes angeklagt. Einem vierten Festgenommenen, der die Flüchtenden vor der Polizei verbarg, wird Beihilfe zur Last gelegt. Es wurden auch Haftbefehle gegen zwei weitere Verdächtigte erlassen. Ein Wachmann erklärte, die Waffen seien vermutlich durch ein Loch im Zaun in die Schule geschmuggelt worden, die von Metalldetektoren und mehreren Wächtern kontrolliert wird.

"Ich hatte die Turnhalle gerade verlassen, um zur Schulkrankenschwester zu gehen", sagte der fünfzehn Jahre alte Schüler Kyle Ramos. "Da hörte ich es. Bam, bam, bam. Ich wusste, was das war, und rannte davon." Williams saß mit mehreren Mitschülern auf einer Tribüne, als seine Mörder eintrafen. Schulratsmitglied Elliot Willard sagte, Schüler hätten berichtet, dass gezielt auf Williams gefeuert wurde. Die Verletzungen der Mädchen, von denen eine einen Wadenbeindurchschuss erlitt, seien zufällig gewesen.

Panik

Viele Eltern eilten nach der Nachricht von der Schießerei in Panik zur Schule. Verzweifelt versuchten sie, ins Gebäude zu kommen, in dem ihre Kinder von der Polizei stundenlang festgehalten und befragt wurden. "Wie können sie uns hier warten lassen, ohne dass wir wissen, welches Kind erschossen wurde", fragte ein Mutter. Als die Behörden das Gebäude frei gaben, versuchten die aufgebrachten Eltern alle zugleich durch die Tür zu kommen. Es herrschte Chaos.

Erst vor drei Jahren hatten sich in New Orleans ein dreizehn und ein fünfzehn Jahre alter Schüler im Schulgebäude gegenseitig erschossen. Der 13-Jährige hatte die Pistole durch einen Sicherheitszaun geschmuggelt. (APA/AP)

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