Wiener Werk vor Insolvenz

17. April 2003, 16:17
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AK: Ausständige Löhne sollen bei Insolvenz so rasch wie möglich ausbezahlt werden

Wien - Nach der Zahlungsunfähigkeit des deutschen Elektronikkonzerns Grundig bereitet sich nun auch die Österreich-Tochter auf die Insolvenz vor. Laut Auskunft der Arbeiterkammer (AK) hat Grundig Austria bereits Kontakt mit dem Insolvenzbüro aufgenommen. In Wien sind am Donnerstagvormittag Beratungen zwischen Grundig-Konzerneigentümer Anton Kathrein, Wiens Finanzstadtrat Sepp Rieder (S) sowie Vertretern von Banken, AK und Gewerkschaft angelaufen.

Laut Gewerkschaft ist Grundig Austria "an und für sich bereits jetzt zahlungsunfähig". "Für den Fall einer Insolvenz werden jetzt schon die Vorbereitungen getroffen, damit danach die ausständigen Löhne so rasch wie möglich ausbezahlt werden können", hieß es aus der AK am Donnerstag nach einer ersten Gesprächsrunde.

Noch keine Märzlöhne

Die rund 850 Mitarbeiter habe ihre Märzlöhne, die für Mittwoch versprochen waren, auf Grund "finanzieller Schwierigkeiten" noch nicht ausbezahlt bekommen. Die Produktion ist wegen Materialmangels vergangene Woche vorübergehend eingestellt worden. Die 60-Tagesfrist, innerhalb der ein Unternehmen ab Zahlungsunfähigkeit beim Handelsgericht eine Insolvenz anmelden muss, dürfte damit bereits begonnen haben. Nach einer Insolvenz würden für die ausständigen Löhne der Insolvenzentgeltausfallsfonds einspringen.

Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) und die AK erwarten einen Insolvenzantrag im Laufe der nächsten Woche. Danach ist nach Meinung von Experten "vom Ausgleich und Verkauf des Wiener Werks bis hin zum Konkurs und der Schließung der Produktion alles drin". Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) räumt allerdings ein, dass Grundig Austria "auf Grund des eingeschränkten Absatzmarktes nur schwer sanierbar" sei.

Für kommenden Dienstag ist bei Grundig Austria eine Betriebsversammlung angesetzt. Sie soll, so hofft man in der AK, mehr Klahrheit bringen, wie es mit Grundig Wien weitergeht.

Im Wiener Grundig Werk sind im vergangenen Jahr 2002 1,3 Mio. Fernsehgeräte vom Band gelaufen. Rund 80 Prozent aller Grundig-TV-Geräte stammten damit aus Wien. Dennoch war das Werk im Vorjahr nur zu 50 bis 60 Prozent ausgelastet. Der Umsatz von Grundig Austria ist im Vorjahr von 478,45 auf 434,27 Mio. Euro geschrumpft. Die Verbindlichkeiten werden, wie berichtet, auf 90 Mio. Euro geschätzt.(APA)

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