Die irakischen Oppositionsgruppen: Breitgefächert und zerstritten

16. April 2003, 10:37
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Von den schiitischen Fundamentalisten über die Baath-Dissidenten zu den Monarchisten

Dubai - Das von den USA einberufene Treffen irakischer Oppositioneller in Nassiriyah hat einen schweren Start. Zentrale Figuren sagten ab; zehntausende Schiiten demonstrierten gegen die US-Militärpräsenz im Irak. Zu den größten Problemen der irakischen Opposition gehört, dass sie nur im Exil überleben konnte. Die bekanntesten Gruppen, die untereinander zerstritten sind:

  • Der "Oberste Rat der Islamischen Revolution im Irak" wurde 1982 im Nachbarland Iran gegründet. Er ist die wichtigste schiitische Oppositionsgruppe und blieb dem Treffen am Dienstag fern, mit der Begründung, sich nicht den USA unterordnen zu wollen. Geleitet wird die Organisation von Ayatollah Mohammed Bakr al Hakim, der im iranischen Exil lebt und über eine 15.000 Mann starke Privatarmee verfügen soll.

  • Der "Irakische Nationalkongress" (INC) ist ein Sammelbecken verschiedener Gruppierungen und wurde 1992 in London gegründet. Die Bewegung des umstrittenen schiitischen Bankiers Ahmed Chalabi wird vor allem vom Pentagon unterstützt. Chalabi schickte nur einen Vertreter zu dem Treffen, obwohl er seit kurzem einen Stützpunkt in Nassiriyah hat. Chalabis Kritiker sehen ihn als Handlanger der USA. Auch soll er mit US-amerikanischen Ölfirmen bereits über Geschäfte verhandelt haben. Ein jordanisches Gericht verurteilte Chalabi 1992 wegen Betrugs zu 22 Jahren Haft.

  • Die "Unabhängigen Irakis für Demokratie" fanden sich vergangenen Monat bei einer Konferenz in London zusammen. Sie ernannten den ehemaligen Außenminister Adnan Pachaci zu ihrem Sprecher und befürworten eine UNO-Übergangsverwaltung. Der 80-jährige Ex-Diplomat lebt seit mehr als zwanzig Jahren im Exil. Er gehört der sunnitischen Glaubensrichtung an.

  • Die "Irakische Nationale Eintracht" mit Sitz in London wurde 1976 von dem Exilpolitiker Iyad Alawi gegründet und hat ehemalige Baath-Anhänger angezogen, die sich gegen das Regime von Saddam Hussein stellten.

  • Die "Konstitutionelle Bewegung" ist die monarchistische Partei unter Führung des Oberhaupts der 1958 entthronten Königsfamilie, Prinz Sharif Ali bin Hussein. Er war zwei Jahre alt, als sein Cousin, König Faisal II., ermordet wurde. Die irakische Königsfamilie ist ein Zweig der in Jordanien regierenden Haschemiten-Dynastie.

  • Die "Irakische Republikanische Gruppe" trat erstmals vor einer Woche in Erscheinung. In einer Erklärung, die aus Bagdad datiert war und in Amman verbreitet wurde, nahm sie für sich in Anspruch, eine Schlüsselrolle beim Sturz von Saddam Hussein gespielt zu haben. Sie wandte sich gegen eine irakische Regierung der "Außenseiter". Nach eigenen Angaben gehören ihr Menschen aller ethnischen und religiösen Gruppen des Irak an.

  • Demokratische Partei Kurdistans (KDP) und Patriotische Union Kurdistans (PUK): Diese beiden miteinander verfeindeten Kurdenparteien unter Führung von Massud Barzani bzw. Jalal Talabani teilen sich die Macht im Nordirak, der seit 1991 der Kontrolle Bagdads entzogen ist. Die KDP ist mehr ein Stammesverband unter Führung der Barzani-Sippe als eine politische Partei. Die PUK rekrutiert ihre Anhänger vor allem in den gebildeten städtischen Mittelschichten. (APA/AFP)

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