Paris weist auf "Sorge und Demütigung" in arabischer Welt hin

15. April 2003, 17:03
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Persson und Chirac wollen "weiteren Präventivkrieg" verhindern

Paris - Der französische Außenminister Dominique de Villepin und sein US-Kollege Colin Powell haben über die angespannte Lage im Irak und im Nahen Osten beraten. Der Pariser Außenamtssprecher Francois Rivasseau bezeichnete das am Vorabend geführte Telefonat der beiden Minister am Dienstag "als pragmatisch und zukunftsgerichtet". Dabei sei es auch um Syrien gegangen, dem die USA den Besitz von Chemiewaffen vorwerfen. In dem Gespräch habe de Villepin auf das Gefühl der "Sorge und der Demütigung" hingewiesen, das nach dem Irak-Krieg in der arabischen Welt vorherrsche, betonte der Sprecher des Quai d'Orsay.

Beweis ausständig

Der französische Außenminister war am Sonntag von einer Nahost-Reise zurückgekehrt, bei der er die politischen Führungen in Ägypten, Syrien, Libanon und Saudiarabien getroffen hatte. Nach Angaben von Europaministerin Noelle Lenoir verfügt Frankreich über "keinen Beweis" für die US-Anschuldigungen, Syrien habe während der letzten zwölf bis 15 Monate chemische Waffen getestet. In der Welt herrsche bereits "eine gefährliche Situation", "ohne dass derzeit das eine oder andere Land in der Frage der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen herausgehoben werden könnte", warnte Lenoir im Pariser Nachrichtensender i-television.

Persson bei Chirac: "Weiterer Präventivkrieg muss verhindert werden"

Bei einem Treffen der Kriegsgegner Frankreich und Schweden haben sich die beiden Staatschefs der Länder für eine führende Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau im Irak ausgesprochen. "Wir beide denken, dass in der Phase des Wiederaufbaus die Vereinten Nationen eine führende Rolle spielen, natürlich mit den Vereinigten Staaten, Großbritannien und dem irakischen Volk", sagte der schwedische Ministerpräsident Göran Persson am Dienstag in Paris nach einem Gespräch mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac. Das irakische Volk werde dabei "in der Diskussion oft vergessen, aber es muss auch sein Wort zu sagen haben".

Der schwedische Ministerpräsident wandte sich im Hinblick auf die US-Vorwürfe an Syrien strikt gegen einen neuen Krieg: "Eine Wiederholung dessen, was wir im Irak gesehen haben, kommt nicht in Frage", sagte Persson auf eine entsprechende Frage. "Ich denke, dass alle internationalen Meinungsverschiedenheiten im Rahmen des internationalen Rechts geregelt werden müssen." Chiracs Sprecherin Catherine Colonna betonte nach dem Gespräch, Frankreich und Schweden hätten "sehr nahe beieinander liegende Positionen sowohl zu den Umständen des Kriegsausbruchs als auch den Folgen der irakischen Diktatur oder der wesentlichen Rolle der Vereinten Nationen". (APA/AFP)

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