Betroffene Frauen über ihre Pensionsaussichten

15. April 2003, 13:27
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SP-Stadlbauer: "Auf die Frauen ist einfach vergessen worden"

Wien - SPÖ-Bundesfrauensekretärin Bettina Stadlbauer stellte am Dienstag in einer Pressekonferenz drei von den Pensionsplänen der Regierung betroffene Frauen vor. Tenor: Die zu erwartenden massiven Einbußen der Frauen führen zu einschneidenden Veränderungen des Lebens, die trotzdem nicht zu einem Ausgleich des Verlustes führen werden. Stadlbauer:

Beispiel I

Renate N., geboren 1951, ist Marketingfachfrau: Auf Basis des Versicherungsdatenauszuges der PVA wird Frau Renate N. mit Stichtag 1.9.2007 504 Versicherungsmonate erworben haben. Sie wäre von der "erweiterten Hacklerregelung" insofern begünstigt als sie weiterhin mit 56,5 Jahren in Pension gehen könnte und eine Bruttopension von 73,5 Prozent ihrer Gesamtbemessungsgrundlage beziehen würde. Nach der Pensionsreform erhält sie eine Bruttopension, die rund 18 Prozent geringer sein wird. Renate N. erklärte: "Ich kann leider nicht darauf verweisen, dass ich einen Mann habe, der mich erhält."

Beispiel II

Claudia K., geboren 1981, ist Speditionsangestellte. Nachdem Claudia erst am Anfang ihres Erwerbsleben steht, lässt sich noch kein sinnvoller Verlauf konkretisieren, das Regelpensionsalter für sie beträgt 65 Jahre (wird 2046 erreicht). Klar ist aber, dass die volle Durchrechnung in der geplanten Form zu Verlusten von durchschnittlich knapp 30 Prozent führen wird, die bei Teilzeitzeiten noch deutlich höher ausfallen würden. Darüber hinaus ergibt sich durch die Reduktion der Steigerungsprozentsätze eine zusätzliche Kürzung von bis zu 11 Prozent (zusätzlich minus 2 Prozent durch den Entfall einer Anpassung). Claudia K. erklärte, dass in ihrer Lebensplanung zwar ein Kind vorkommt, sie sich aber Kinderpause und Teilzeitbeschäftigung aufgrund der Pensionsregelungen nicht wird leisten können: "Welche Perspektiven habe ich noch in diesem System?"

Beispiel III

Andrea A., geboren 1965, ist Büroangestellte. Nach geltendem Recht wäre der frühest mögliche Pensionsantritt mit 60 Jahren im Jahr 2025 möglich, nach Abschaffung der vorzeitigen Alterspension ist der Pensionsantritt (normale Alterspension zum Regelpensionsalter) erst mit 62, also 2027 möglich. Ihr Pensionsanspruch wäre nach geltendem Recht um 41 Prozent höher, als nach der Reform. Andrea A.: "Weder als Weihnachtsgeschenk, noch zum Hochzeitstag wäre es möglich, dass mein Mann die fehlenden Beträge für mich in die Pensionsversicherung einbezahlt - auch wenn er das will." (red)

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