170.000 Kulturobjekte gestohlen oder zerstört

15. April 2003, 13:10
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Britische Experten sollen bei Rettung irakischer Kulturgüter helfen

London - Den Plünderungen und Zerstörungen im Nationalmuseum in Bagdad sind nach einem Bericht der in London erscheinenden "Times" rund 170.000 Kulturgegenstände zum Opfer gefallen. Als Quelle für diese Angabe zitierte die Zeitung am Dienstag den UNESCO-Vertreter in Amman (Jordanien), Ndeye Fall. "Dies ist eine Katastrophe für das Kulturerbe des Iraks", sagte Neil MacGregor, Direktor des Britischen Museums, der "Times".

Der Zeitung zufolge will das Britische Museum umgehend einen Experten nach Bagdad entsenden, der eine Liste der zerstörten oder gestohlenen Kulturgüter aus dem Museum erstellen soll. Diese Liste solle dann den Soldaten übergeben werden, die im Irak zur Grenzkontrolle eingesetzt sind. Die US-Regierung wolle in ähnlicher Form aktiv werden und die Listen per E-Mail an das Zentralkommando in Doha (Katar) verschicken.

Schutz versagt

Die britische Archäologin Eleanor Robson (Oxford) kritisierte, dass sich internationale Experten erst jetzt um den Schutz der irakischen Kulturgüter kümmern würden. Die Vereinigung britischer Archäologen im Irak hätte schon lange vor Kriegsausbruch vor den Gefahren für die Kulturgüter gewarnt. Zwar seien diese Stätten nicht bombardiert worden, aber das Militär habe bei ihrem anschließenden Schutz "völlig versagt". Die Regierung in London habe auf die Besorgnis der Experten ebenfalls nicht reagiert, sagte Robson. "Es ist so, als ob jemand vor einem Autounfall gerettet wurde, nur um von einem Bus überfahren zu werden", sagte Robson. (APA)

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