Nach Veruntreuungsfall: Wiener Wohnen überlegt Konsequenzen

15. April 2003, 13:49
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Rücknahme der Auslagerung von Sanierungs-Verrechnung möglich

Bei "Wiener Wohnen" wird überlegt, nach dem mutmaßlichen Veruntreuungsfall die Verrechnung von Haussanierungen selbst durchzuführen. Das hat ein Sprecher von Wohnbaustadtrat Werner Faymann (S) berichtet. Anlass dafür sind die Machenschaften des Geschäftsführers einer Sanierungsfirma für Wiener Gemeindebauten. Dieser steht im Verdacht, mit Geldern der Stadt eigene Spielschulden abgedeckt zu haben. Der Schaden wird mit vier Mio. Euro beziffert.

Das betreffende Unternehmen war laut Faymann-Büro zuletzt bei drei Anlagen mit der Baubetreuung betraut. "Diese Tätigkeit nimmt Wiener Wohnen nicht wahr", hieß es dazu. Als die Gemeindebauverwaltung noch Teil des Magistrats gewesen ist, war sie nicht Vorsteuer abzugsberechtigt. Die Beauftragung privater Firmen sei somit günstiger gewesen.

Abrechnung könnte wieder eingegliedert werden

Im Jahr 2000 hat sich die Situation jedoch geändert, Wiener Wohnen wurde zu einer eigenen Unternehmung der Stadt Wien. Die Tätigkeit der Baubetreuung soll zwar weiterhin an Private vergeben werden, die Abrechnung solcher Aufträge könnte aber wandern, wurde betont: "Wir werden prüfen, ob es nicht sinnvoller ist, die Verrechnung von Sanierungen in die eigenen Dienstleistungen aufzunehmen und nicht auszulagern."

Zu klären sei dabei vor allem die Frage, was billiger käme: Die Verrechnung zu übernehmen oder das Risiko einzugehen, von unredlichen Partnern geprellt zu werden. Der Faymann-Sprecher stellte dabei klar, dass sich die Vorwürfe nur gegen den Geschäftsführer der Firma richten. Mit dem Unternehmen selbst habe es nie Probleme gegeben, wurde betont. Im Büro des Wohnbaustadtrats rechnet man auch nicht damit, dass es zu Verzögerungen bei laufenden Sanierungen kommt.

Geld umgeschichtet

Dem Chef der betreffenden Gesellschaft wird vorgeworfen, dass er bei der Abrechnung eines Baus Geld von anderen Konten auf das betreffende Projekt umgeschichtet hat. Dadurch seien Fehlbeträge nie aufgefallen. Erst als sich "Wiener Wohnen" entschloss, die Anzahl der verwalteten Konten zu reduzieren, soll der Unternehmer aufgeflogen sein.

Er sei bei einer internen Besprechung zusammengebrochen und habe alles zugegeben, hieß es im Rathaus. Die Verantwortlichen im Wohnressort gaben sich eher skeptisch, was die Zusicherung des Mannes betraf, den Fehlbetrag zurückzuzahlen. "Ob das realistisch ist, können wir nicht beurteilen", so der Faymann-Sprecher.

Verdächtige will Schaden abgelten

Der Verdächtige soll unter anderem behauptet haben, dass er im Zusammenhang mit einer Schlossrenovierung im Burgenland selbst Honorarforderungen in der Höhe von einer Mio. Euro habe - und zwar gegen einen arabischen Scheich. Daraus könnte ein Teil des Schadens abgegolten werden, habe er versichert. (APA)

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