Athener EU-Erweiterungsgipfel unter beispiellosen Sicherheitsmaßnahmen

15. April 2003, 19:26
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Anreise der Außenminister und Delegationen aus den 15 EU-Mitgliedstaaten und der zehn neuen Beitrittsländern erwartet

Athen - Mit Antikriegsdemonstrationen und Protestaktionen gegen die Globalisierung begrüßt Athen ab Dienstag Nachmittag die Staats-und Regierungschefs, Außenminister und Delegationen aus den 15 EU-Mitgliedstaaten, den zehn neuen Beitrittsländern, den Kandidatenstaaten und den Staaten, die im Lauf des Tages zum großen Erweiterungsgipfel anreisen werden. Der Höhepunkt der Kundgebungen am Mittwoch zu erwarten.

Demonstrationen von Kriegs- und Globalisierungsgegner erwartet

Wenn die europäischen Politiker am Vormittag zusammentreffen werden und am Nachmittag die historische EU-Erweiterung in der antiken Säulenhalle des Attalos unterhalb der Akropolis unterzeichnen werden, wollen tausende Kriegs- und Globalisierungsgegner auf die Straßen gehen und im Athener Zentrum demonstrieren. Aufgerufen dazu haben die Gewerkschaften, das "Griechische Soziale Forum" und andere Organisationen, wie die "Aktion Thessaloniki 2003" und die "Allianz: Stop den Krieg". Die Kundgebung am Mittwoch Vormittag soll auch die Größte sein. Die Versammelten werden mit der Parole "Blair, Aznar und Berlusconi unerwünscht" vom Zentrum aus an der britischen, italienischen und spanischen Botschaft vorbei und weiter bis zur US-Botschaft ziehen.

Erstmals derart strenge Sicherheitsmaßnahmen geplant

Trotz der sehr strengen Sicherheitsmaßnahmen ist die Angst groß, dass ein Teil der Demonstranten versuchen wird, die Polizeiblockaden zu durchbrechen, um die Säulenhalle zu erreichen oder die Barrikaden zu stürmen, um näher an das Zappeion zu kommen. Das Zappeion ist das Gebäude, wo die Gastgeber, der griechische Präsident Konstantinos Simitis und Außenminister Georgios Papandreou, die Gäste empfangen werden, und wo die Europaratssitzung stattfinden wird.

Vertreter des griechischen Sozialforums haben bereits erklärt: "Wir akzeptieren nicht, dass die Stadt gesperrt wird, Athen ist eine freie Stadt, und außerdem wollen wir, dass es die Kriegsverbrecher zu spüren bekommen."

Für griechische Verhältnisse sind zum allerersten Mal derart strenge Sicherheitsmaßnahmen geplant, die ab Dienstag Mittag bis zum Abflug aller Gäste am Donnerstag gelten werden. In dieser Zeit werden Polizei, Hafenpolizei, Sondereinheiten der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst in höchster Alarmbereitschaft sein. Wie die Polizei angekündigt hat, werden mehr als 10.000 Polizisten im Einsatz sein, die, falls nötig, mit 2.000 Mann noch zusätzlich verstärkt werden.

Das historische Zentrum soll nur für die Einwohner Athens zugänglich sein. Große Straßen , die zum Flughafen oder den Hotels führen, wo die europäischen Politiker untergebracht sind, sollen teilweise und zwischendurch sogar ganz gesperrt werden. In ihrer Umgebung gilt für die drei Tage Halte- und Parkverbot. Hotels und Ortschaften, wo sich die hohen Gäste bewegen werden, werden bereits jetzt rund um die Uhr von Suchhunden und Sichheitspersonal bewacht. Mindestens drei Hubschrauber werden permanent Schleifen über Athen machen.

Sicherheitsmaßnahmen gleichzeitig Übung für Olympische Sommerspiele Besonders streng sind die Maßnahmen in Vouliagmeni, im Hotel an der Küste, wo viele Staatsoberhäupter Unterkunft beziehen, unter anderem der britische Premier Tony Blair, Italiens Staatschef Silvio Berlusconi und der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar, und wo der griechische Staatspräsident Kostis Stefanopoulos morgen Abend zu Ehren der Gäste ein offizielles Abendessen geben wird.

Dort ist nicht nur Polizei, sondern auch die Hafenpolizei voll im Einsatz. Mehrere Schnellboote der Hafenpolizei werden patrouillieren und über 30 Taucher die Küste kontrollieren. Bei jeder Bewegung werden die europäischen Staatschefs von Polizeikonvois begleitet werden. Je nach Gefahr wird die Polizeibegleitung entsprechend groß sein. Informationen zufolge sollen mindestens 100 Polizisten um Blair herum sein.

Die Sicherheitsmaßnahmen während der drei Tage in Athen sind fast doppelt so hoch wie die Sicherheitsmaßnahmen, die bei dem Besuch des amerikanischen Ex-Präsidenten Bill Clinton, des Papstes oder des russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen worden waren. Die in dieser Art erstmalig ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen in Griechenland bieten sich gleichzeitig als Übung für die Olympischen Sommerspiele 2004 an.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Zappeion, wo die Europaratssitzung stattfinden wird

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