OPEC will Ölpreis-Kollaps verhindern

15. April 2003, 11:31
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Irak soll OPEC-Mitglied bleiben

Paris/London - Angesicht einer weltweiten Überproduktion von täglich rund zwei Millionen Barrel Öl will die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) nach den Worten ihres Präsidenten Ali el-Attijah Maßnahmen ergreifen, um einen Kollaps der Preise zu verhindern.

Attijah erklärte in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Figaro" (Dienstagsausgabe), die OPEC werde ein Ministertreffen für Ende April oder Anfang Mai einberufen, um darüber zu beraten, wie der Markt auf einem Preisniveau von rund 25 Dollar je Barrel (knapp 159 Liter) stabilisiert werden kann. Ein OPEC-Sprecher in London sagte am Dienstag, dass das Sondertreffen der Ölminister definitiv am 24. April in Wien stattfinden werde.

Stabilisierung des Marktes

"Als Präsident der OPEC werde ich stets auf die Stabilisierung des Marktes, der gegenwärtig unter einer Überproduktion von etwa zwei Millionen Barrel täglich leidet, hinarbeiten", sagte Attijah. Die OPEC habe sich während der Irak-Krise als professionell erwiesen, indem sie eine Ölverknappung verhindert habe. "Wir haben verhindert, dass der Preis zu stark gestiegen ist, indem wir den Markt schon vor dem Krieg mit täglich zusätzlichen zwei Millionen Barrel versorgt haben", sagte Attijah, der zugleich Ölminister Katars ist.

Attijah hatte wegen des Verfalls der Ölpreise um 30 Prozent innerhalb nur eines Monats kürzlich das Sondertreffen vorgeschlagen, um über Maßnahmen zur Stabilisierung des Marktes zu beraten. Zwar hatten die Mitglieder des Kartells dem Vorschlag zugestimmt, doch hatten sie sich zunächst nicht auf einen Termin einigen können.

Starke Schwankungen

Vor Beginn des von den USA angeführten Krieges gegen Irak war der Ölpreis zeitweise bis auf mehr als 33 Dollar gestiegen, weil die Marktteilnehmer befürchtet hatten, die Exporte aus der Region könnten unterbrochen werden. Am Dienstag kostete ein Barrel (knapp 159 Liter) der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Mai wie am Vorabend 24,99 Dollar.

Nach dem Golf-Krieg 1991 waren die Ölpreise eingebrochen. Attijah betonte, es sei wichtig zu verhindern, dass sich die Geschichte wiederhole. "Wir müssen die Fehler der Vergangenheit vermeiden, als unsere Organisation es versäumte, schnell genug zu handeln, sackten die Ölpreise auf weniger als zehn Dollar ab", sagte der OPEC-Präsident. Wenn das Kartell jetzt versäume, rechtzeitig aktiv zu werden, könnte die Überproduktion vier Millionen Barrel erreichen, wenn Nigeria und Irak wieder ihr volles Exportvolumen erreichen.

Irakische Ölexporte blockiert

Einige Analysten schlossen zwar nicht aus, dass durch diplomatisches Gerangel die Ölexporte des Irak noch für Monate blockiert bleiben könnten, doch hatte es am Sonntag aus US-Kreisen geheißen, die Ölfelder bei der nordirakischen Stadt Kirkuk könnten binnen Wochen die Produktion wieder aufnehmen. Aus den Vorkommen im Nordirak können täglich 900.000 Barrel gefördert werden.

Attijah sagte, er hoffe, dass der Irak rasch wieder seine Vorkriegsproduktion von rund 2,5 Millionen Barrel täglich erreichen und Mitglied der OPEC bleiben werde. Dem Kartell könne das Land aber nur mit einer von der UNO anerkannten Regierung angehören.

Beim bevorstehenden Sondertreffen der OPEC werde sich das Kartell auf das angestrebte Preisziel von rund 25 Dollar je Barrel konzentrieren. Die Kooperation mit Förderländern außerhalb der OPEC werde bei der Stabilisierung der Preise helfen. Russland als weltweit zweitgrößter Ölexporteur hinter Saudi-Arabien ist zwar nicht Mitglied der OPEC, hat aber mehrfach angekündigt, das Kartell bei seinen Bemühungen zur Stabilisierung der Preise zu unterstützen. Analysten verwiesen jedoch darauf, dass das stark von Deviseneinnahmen aus dem Ölexport abhängige Russland bisher nie seine Zusagen eingehalten und stattdessen seine Ölausfuhren gesteigert habe.(APA/Reuters)

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