Aktionäre klagen AOL TW wegen Insiderhandels

15. April 2003, 11:26
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Aktienkurs mit "Tricks, Erfindungen und gefälschten Transaktionen" aufgebläht

Zwei institutionelle Anleger von AOL Time Warner haben den Medienkonzern und das Topmanagement wegen Insiderhandels bei der Übernahme von Time Warner durch AOL geklagt. In der Klage werden neben dem ehemaligen Chairman Steve Case auch sein Nachfolger und CEO Richard Parsons, Vizechairman und größter Einzelaktionär Ted Turner, Ex-CEO Gerald Levin sowie Ex-COO Bob Pittman genannt. Zudem richtet sich die Klage der University of California und der Amalgamated Bank gegen den Bilanzprüfer des Konzerns, Ernst & Young, berichtet die New York Times (NYT) heute, Dienstag. Den Managern wird vorgeworfen, sie hätten bei der Fusion durch den Verkauf von Aktien Gewinne erzielt und gleichzeitig durch "Tricks, Erfindung und gefälschte Transaktionen" den Wert der Aktien in die Höhe getrieben.

Wertend

Die Klage behauptet, dass AOL seine Einnahmen zwischen dem Jahr 2000 und 2001 um rund eine Milliarde Dollar überbewertet habe. Auch die Angaben zur Abonnentenzahl seien völlig übertrieben gewesen. Die Umsätze aus E-Commerce und Werbung seien aufgebläht worden, um die Übernahme von Time Warner zu finanzieren, dessen Umsatz viermal größer als jener von AOL selbst war. Nach der Fusion sollen laut den Klägern die genannten Topmanager ihre Aktien verkauft haben, die dann wiederum von AOL Time Warner mit der Begründung, sie seien unterbewertet, aufgekauft wurden. Den Gewinn der Manager geben die Klagen laut NYT mit insgesamt 936 Mio. Dollar an. Die beiden Gesellschafter von AOL Time Warner sehen sich dadurch geschädigt.

Untersucht

Gegen AOL Time Warner laufen derzeit auch Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC wegen möglicher falscher Bilanzierung. Dabei soll AOL Time Warner Werbeeinnahmen in der Höhe von 400 Millionen Dollar aus einem Geschäft mit Bertelsmann falsch verbucht haben. (pte)

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