LSD - Die "Kultdroge" der Sechziger wird 60 Jahre alt

15. April 2003, 10:43
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Am 16. April 1943 vom Basler Chemiker Albert Hofmann entdeckt

LSD, die "Kultdroge" der sechziger Jahre, wird am Mittwoch 60 Jahre alt. Der Basler Chemiker Albert Hofmann hat die halluzinogenen Effekte der Substanz am 16. April 1943 entdeckt. Im LSD-Rausch gedieh die psychedelische Kunst - heute ist beides in Vergessenheit geraten.

Der 1906 in Baden (Schweiz) geborene Hofmann war von 1929 bis 1971 in pharmazeutischen Labors der damaligen Sandoz in Basel tätig. Er untersuchte Wirkstoffe von Arzneipflanzen, woraus dann Medikamente sowie psychoaktive Substanzen hervorgegangen sind. Hofmann fand diverse Medikamente, wurde berühmt und international ausgezeichnet.

Die halluzinogene Wirkung des Lysergsäure-Diäthylamid (LSD) erfuhr Hofmann zufälligerweise am eigenen Leib; die Substanz hatte er bereits fünf Jahre zuvor versuchsweise als Kreislauf-Anregungsmittel hergestellt. Das Grundgerüst von LSD stammt aus einem Getreideparasiten, dem Mutterkornpilz.

"LSD - mein Sorgenkind"

Tierversuche hatten keine Resultate gezeigt. Hofmann forschte weiter am LSD, und beim Hantieren im Labor fiel ein Tropfen auf seine Hand. Die Aufnahme durch die Haut reichte, um unerwartete Empfindungen auszulösen: Angst, Schwindel, Visionen, Glücksgefühle. Drei Tage später probierte er es nochmals, mit dem selben Resultat.

Dass die Entdeckung später von Millionen Menschen glorifiziert würde, ahnte er dabei noch nicht, wie er im Buch "LSD - mein Sorgenkind" fest hielt. Er selbst sah eine Verwendung in der Psychiatrie oder Neurologie. Sandoz stellte LSD in Tabletten und Ampullen her, von 1947 bis 1966.

Den ersten wissenschaftlichen Bericht über die Wirkung von LSD, das als Therapiehilfsmittel eingesetzt wurde, publizierte 1947 die Uni Zürich. Anders als Beruhigungsmittel, welche die Probleme von Patientinnen und Patienten eher verschleiern, mache LSD diese erkennbar. Seither ist noch einiges mehr ausprobiert worden: LSD wurde etwa getestet zur Entgiftung von Alkoholikern oder um an Krebs tödlich Erkrankten eine gelassenere Einstellung zu ihrem Ableben zu ermöglichen. Selbst die US-Armee testete LSD an Soldaten.

"Acid Test"-Abende

Die Medien wurden auf die Droge aufmerksam, und Ende der fünfziger Jahre sowie anfangs der Sechziger war LSD die "Droge Nummer eins", speziell in den USA. Auch die Kunst entdeckte LSD als Ticket für Reisen in eine andere innere Welt: Die Psychedelik kam auf.

Anfangs der sechziger Jahre gab es in San Francisco die legendären "Acid Test"-Abende mit Künstlerinnen und Musikern der Hippie-Generation wie Grateful Dead, Jefferson Airplane oder Santana. Zum LSD-Guru wurde Timothy Leary, 1996 im Alter von 75 Jahren verstorben, der die Droge als Aphrodisiakum anpries.

1963 wurde die breite illegale Produktion möglich, weil das Patent auslief und die Formel nicht mehr geheim war. Allerdings setzten die USA LSD erst 1966 auf die Liste der illegalen Rauschmittel. Im selben Jahr stellte Sandoz die Herstellung ein.

"Schwacher zweiter Frühling"

Der nichtmedizinische Gebrauch war damit zwar nicht zu Ende. Doch die Droge wurde von anderen - stärkeren - verdrängt und ist zunehmend in Vergessenheit geraten. In den neunziger Jahren erlebte sie einen schwachen zweiten Frühling im Dunstkreis von Ecstasy bei Rave-Partys der Techno-Generation.

Zum 60-Jahre-Jubiläum publiziert der Schweizer "Nachtschatten Verlag" eine überarbeitete Ausgabe von Hofmanns Werk "Einsichten Ausblicke". Hofmann, der im Jänner seinen 97. Geburtstag gefeiert hat, will an der Messe "BuchBasel" am 3. Mai persönlich Passagen aus seinem Buch vortragen. (APA/sda)

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