Millionen für den Boss

15. April 2003, 16:51
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Trotz riesigen Verlusten leistet sich die Deutsche Telekom immer höhere Abfindungen für die Chefetage

München - Der durch den Rücktritt des Chefs der Deutschen Telekom, Ron Sommer, ausgelöste personelle Umbau der Konzernführung hat die Ausgaben des Unternehmens für den Vorstand im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.

Aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens, der am Dienstag in Bonn veröffentlicht werden soll, geht hervor, dass sich die Gesamtausgaben für die aktiven und ausgeschiedenen Vorstände des Unternehmens für das zurückliegende Jahr auf rund 40,9 Mio. Euro nach 18,2 Mio. Euro im Jahr 2001 summierten. 26,4 Mio. Euro entfallen auf die Abfindungen und Pensionen von ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern. Dies sind vor allem Ex-Telekom-Chef Ron Sommer sowie drei weiteren ehemaligen Manager, die das Unternehmen verlassen haben.

In den restlichen 14,5 Mio. Euro sind alle im Jahr 2002 angefallenen Bezüge jener Manager enthalten, die zumindest zeitweise Vorstandsposten bekleideten. So wurde die Telekom nach dem Rücktritt von Sommer Mitte Juli übergangsweise bis zur Ernennung des amtierenden Konzernchefs Kai-Uwe Ricke im November vom ehemaligen Aufsichtsratsmitglied Helmut Sihler geführt.

Die Ausgaben für die Vorstände des Jahres 2001 sind jedoch nur bedingt mit für das Jahr 2002 fälligen Summe zu vergleichen. Denn in den Bezügen für das Jahr 2001 hatte die Telekom die angefallenen Abfindungen für im Jahresverlauf ausgeschiedene Vorstände nicht extra ausgewiesen. Bei den Aktionären hatte der dadurch mitverursachte drastische Anstieg der Vorstandsbezüge um knapp 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu großem Unmut geführt. Die Telekom hatte diesen Anstieg vor allem mit fälligen Abfindungen gerechtfertigt, sich aber geweigert, die Höhe der Abfindungen zu beziffern.

Ricke: Keine gewaltigen Gehaltssprünge mehr

Anders als sein Vorgänger Sommer will Ricke keine drastisch ansteigenden Vorstands-Bezüge mehr zulassen. Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) zitierte Ricke in einem Vorabbericht aus der Dienstagausgabe, mit den Worten: "Auf keinen Fall wird es aber unter meiner Führung ähnlich gewaltige Gehaltssprünge wie im Jahr 2001 geben." Er wolle "die Vergangenheit abhaken" und dazu gehöre auch das Thema Vorstandsbezüge, zitierte die Zeitung Ricke weiter. Für den Vorstand gelte künftig, dass alle Mitglieder nur noch "extrem leistungsorientiert" bezahlt würden.

Wenngleich die Telekom vorerst auf die Veröffentlichung der Bezüge der einzelnen Vorstandsmitglieder verzichten will, legte Ricke in dem Zeitungsgespräch sein Grundgehalt offen. "Mein Grundgehalt beträgt 1,25 Mio. Euro pro Jahr", zitierte die Zeitung den Telekom-Chef. Bei vollständiger Erfüllung der unternehmerischen Ziele könne sich dieses Grundgehalt wegen einer vereinbarten leistungsbezogenen Komponente verdoppeln.(APA/Reuters)

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    Konzernchef Kai-Uwe Ricke

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