Forscher: Komprimierte Musikdateien verraten den Komponisten

15. April 2003, 13:39
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"Gezippte" Dateien suchen nach charakteristischen Merkmalen und könnten ermöglichen, bislang anonyme Werke zuzuordnen

Die verbreitete Datei-Komprimierung mit dem Zip-Format kann weit mehr, als nur die Dateigröße zu verringern. Wissenschaftler des Niederländischen Forschungsinstituts in Amsterdam haben entdeckt, dass "gezippte" Musikdateien charakteristische Merkmale aufweisen, die Aufschluss über die Stilrichtung geben.

Auch bei Textdateien möglich

Die Forscher nutzten nach einem Bericht des Wissenschaftsmagazins "New Scientist" die Eigenschaft der Komprimierungsprogramme, wiederholt vorkommende Bit-Sequenzen in Dateien zu suchen, die dann ohne Informationsverlust zusammengefasst werden können. Solche wiederholt vorkommende Datenstrukturen entsprechen den charakteristischen Merkmalen eines bestimmten Stils. So wurde bei Textdateien bereits früher festgestellt, dass deren Zip-Kompression die Sprache verrät, in der sie verfasst wurden.

Anonyme Werke warten auf Entdeckung

Die in Amsterdam tätigen Forscher Rudi Cilibrasi, Paul Vitanyi und Ronald de Wolf haben nun in ähnlicher Weise "gezippte" Musikdateien nach Klassik, Jazz und Pop sortiert. Da auch einzelne Komponisten ihren ganz spezifischen Stil entwickelt haben, könnte es möglich sein, bislang anonyme Werke des 16. Jahrhunderts bestimmten Komponisten zuzuordnen. Jeremy Summerly von der Königlichen Musikakademie in London hofft auch auf neue Erkenntnisse zum Requiem von Mozart, dessen Schluss nach dem Tod des Genies von Franz Süßmayr gestaltet wurde.(APA/AP)

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