Rekordanstieg bei Arbeitslosen

15. April 2003, 17:15
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Letzte Pensionsreform hat Arbeitsmarkt schwer belastet - In Kombination mit anhaltender Konjunkturschwäche stärkster Arbeitslosenanstieg seit 1993

Wien - In der laufenden Debatte um die Abschaffung der Frühpensionen ab 2004 lohnt ein Blick auf die letzte Pensionsreform, bei der das Frühpensionsantrittsalter ab 2001 um eineinhalb Jahre angehoben wurde. Wie die Daten des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) für das Jahr 2002 zeigen, stieg die Arbeitslosigkeit in der betroffenen Gruppe (Männer ab 60, Frauen ab 55) um 42,1 Prozent. Bei über 60-jährigen Männern liegt die Arbeitslosenrate bei 11,4 Prozent, bei Frauen zwischen 55 und 59 liegt die Arbeitslosenquote bei 10,8 Prozent und damit jeweils an der Spitze aller Altersgruppen.

"Es ist ganz klar, dass die Pensionsreform starke Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte", sagte Wifo-Experte Helmut Mahringer. Nicht nur die Arbeitslosigkeit Älterer stieg kräftig, auch die Erwerbsbeteiligung der über 55-Jährigen legte von 27,2 Prozent auf 29,8 Prozent zu.

Mit diesem Wert liegt Österreich in der EU freilich nach wie vor an viertletzter Stelle. Weniger Ältere in Prozent der Gesamterwerbsbevölkerung arbeiten nur noch in Italien, Luxemburg und Belgien. Mahringer sieht auch "gewisse Verdrängungseffekte" gegeben: Ältere mussten tendenziell länger im Job bleiben, statt wie zuvor in die Frühpension zu gehen, dafür bekamen Jüngere schwieriger als in vergangenen Jahren Arbeit.

Auch Junge betroffen

In Kombination mit der anhaltenden Konjunkturschwäche - 2001 und 2002 wuchs Österreichs Volkswirtschaft lediglich um 0,7 beziehungsweise 1,0 Prozent - führte dies auch bei den unter 25-Jähri 4. Spalte gen zu einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit. Unterm Strich verzeichnete Österreich im vergangenen Jahr den stärksten Anstieg der Arbeitslosigkeit seit 1993.

Die Arbeitslosenzahl wuchs um 28.535 auf im Durchschnitt 232.418 Betroffene. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnungsmethode lag bei durchschnittlich 6,9 Prozent (Frauen: 6,4 Prozent, Männer: 7,2 Prozent).

Zugleich gab es bei den unselbstständig Beschäftigten den stärksten Rückgang seit 1996. Ohne Präsenzdiener und BezieherInnen von Kinderbetreuungs- oder Karenzgeld gerechnet gab es 2002 um 14.600 weniger Jobs. Hatten sich die Jobverluste 2001 auf wenige Wirtschaftsbereiche konzentriert, so wurde 2002 wegen der Konjunkturflaute in weiten Teilen der Wirtschaft Beschäftigung abgebaut - neben der Sachgütererzeugung und der Bauwirtschaft nun auch im Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie in der öffentlichen Verwaltung. Für letzteren Bereich weist die Wifo-Statistik ein Beschäftigungsminus um 4800 Personen (minus ein Prozent) für 2002 aus.(Michael Bachner, DER STANDARD, 16.4.2003)

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