Ärztekammer, hör die Signale!

1. Februar 2005, 20:04
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Kommentar: Die vier steirischen Frauenärztinnen mit Kassenvertrag sind überlastet, trotzdem schaltet die Kammer auf stur. Ist trotzdem Hoffnung in Sicht?

Kleines Quiz: was bedeutet das? 2 : 21 oder 4 : 51? Peinliche Fußballergebnisse aus der Bundesliga? Fußball nein - peinlich durchaus. Diese Zahlen symbolisieren das steirischen Verhältnisse der Versorgung mit Gynäkologinnen mit Kassenvertrag. 2 Frauenärztinnen auf Krankenschein in Graz stehen 21 männlichen Kollegen gegenüber, in der gesamten Steiermark beläuft sich das Verhältnis auf 4 : 51.

Monatelanges Warten oder hohe Kosten

Nachdem die Ärztekammer im Herbst eine weitere Kassenstelle für Gynäkologie ausgeschrieben hat und wiederum ein Mann ausgewählt wurde, machen die Grazer Frauen mobil. Eine Blitzumfrage des Frauengesundheitszentrum Graz unter 90 Grazerinnen hat mit zwei Drittel Zustimmung ein klares Votum für eine weitere Frau ergeben.

Mittlerweile gäbe es ja zwei ausdrückliche Landtagsbeschlüsse, die Quote der weiblichen Gynäkologinnen zu heben. Ebenso hat sich die Gebietskrankenkasse dem Druck der Grazer Frauenorganisationen gebeugt und die Notwendigkeit einer weiblichen Besetzung erkannt. Nur die Ärztekammer stellt sich immer noch blind und taub und beharrt auf ihrem männlichen Kandidaten, der im Gegensatz zu seiner weiblichen Kollegin auf keine psychosomatische Zusatzausbildung verweisen kann.

Standesdünkel, gute Beziehungen oder mit Ignoranz geschlagen?

Seit Monaten wird nun herumgedruckst und verzögert und auch die anstehende Einberufung einer Schiedskommission scheint sich im Nebulösen zu verlieren. Die Ärztekammer hat noch immer nicht ihre Stellungnahme an den Kommissionsvorsitzenden übermittelt.

Da stellen sich ganz banale Fragen, wie zum Beispiel was der Grund der Kammer für dieses Vorgehen sein könnte. Geht es darum, die Kontrolle über unsere Reproduktion und geschlechtliche Gesundheit nicht aus den Händen der Männer nehmen zu dürfen? Oder ist es auf Gynäkologie-Kongressen für die Teilnehmer einfacher gemütlicher, wenn alle am Abend gemeinsam in die Thai-Sauna gehen können, ohne dass da wieder Rücksicht auf eine Kollegin genommen werden muss? (Und es will doch keineR behaupten, dass das nicht ganz normaler Kongress-Usus ist, oder?)

Weitere Stelle ausgeschrieben

In der Zwischenzeit wurde eine weitere Stelle ausgeschrieben, vielleicht als möglicher Ausweg aus dem peinlichen Dilemma. Da könnte doch ein Männlein und ein Weiblein zum Zug kommen, Gendermainstreaming im oberflächlichsten aller Sinne betrieben und die Frauen wieder ruhig gestellt werden. Angesichts der Lage scheint hier besondere Vorsicht geboten, in welche Richtung sich die nächsten Entwicklungen bewegen. Bis zum 14. April 2003 lief die Einreichfrist. Es bleibt zu hoffen, dass sich zumindest hier die männlichen "Experten des weiblichen Körpers" zurückgehalten haben.

(e_mu)

15. April 2003

Elke Murlasits
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    Noch immer müssen Frauen für eine Untersuchung bei der Frauenärztin horrende Summen bezahlen - oder Monate lang auf einen Termin bei einer Kassenärztin warten.
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