Bierbrauer hoffen auf Arbeitsstiftung

14. April 2003, 20:55
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In Innsbruck sehen 47 Arbeitnehmer einer ungewissen Zukunft entgegen

Innsbruck - "Jetzt kommen die Medien, wo alles vorbei ist", lässt ein Arbeiter den STANDARD zunächst abblitzen, bevor er mit einem Kollegen den Eingangsbereich in der Ing.-Etzel-Straße Richtung Lager verlässt. Flugs sind auch die beiden anderen der Vierergruppe weg.

In der offenen Flaschenhalle steht Josef Pohl. Der 41-jährige gelernte Tischler aus dem Sellrain hat die "Palettierung" zu kontrollieren, das Stapeln der Bierkisten auf den Holzpaletten. "Heut' in der Früh" hat er von der Schließung des Bürgerbräus erfahren - durch eine dringend einberufene "Mitarbeiter-Information". "Mich trifft's doppelt", erzählt er, "meine Frau verliert auch ihren Job - auch im August, wenn bei uns die Produktion eingestellt wird. Sie ist Kindergärtnerin." Zeit zum Nachdenken hatte der Vater zweier Kinder noch nicht. Dass er in Neu-Rum bei Innsbruck, am zentralen Vertriebsstandort der Brau Union für Westösterreich Arbeit finden könnte, glaubt er nicht. Dort würden nicht einmal die sechs Staplerfahrer unterkommen. "Aber manche trifft's ärger: die über 50".

Gelernte Bierbrauer

Die meisten der 47 betroffenen Beschäftigten sind gelernte Bierbrauer. Harald, 31-jähriger Brau-Vizechef und ein 30-jähriger Kollege, der den Namen "lieber nicht" sagt, weil "der Sozialplan erst verhandelt wird", sind seit 13 bzw. 15 Jahren im Betrieb. Beide haben Familie. "Uns fällt die Qualifikation auf den Kopf." Acht Stellen für Brauer gibt es jetzt noch in Tirol - bei zwei Kleinbrauereien. Kaltenhausen bei Hallein, der nächste Braustandort der Brauunion liegt beiden zu weit weg. "Auf's Arbeitsamt gehen und sich blöd anreden lassen", das werde er tun, sagt der eine, fügt aber hinzu: Er vertraue darauf, dass der "Härteausgleich der Brau Union schon passen wird".

"Eine Abfertigung über der gesetzlich vorgesehen Höhe", soll laut dem Verkaufsdirektor für Tirol und Vorarlberg, Matthias Gurschler, eben "die Härten ausgleichen". Die beiden Brauer haben von der ÖGB-Idee einer Arbeitsstiftung gehört. Und hoffen am Dienstag zu Mittag "mehr zu hören". An die 20 Brauer kämen laut Betriebsrat Elmar Hofer dafür infrage. "Es fehlen uns aber 50.000 Euro." (DER STANDARD Print-Ausgabe, 15.4.2003)

Von Benedikt Sauer
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