"Tricks, Listigkeiten und gefälschte Transaktionen"

14. April 2003, 20:28
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Institutionelle Anleger verklagen AOL wegen Insider-Handels

Gegen den weltgrößten Medienkonzern AOL Time Warner haben zwei institutionelle Anleger Klage wegen Insider-Handels eingereicht.

Klage richtet sich unter anderem gegen Steve Case und Ted Turner

Die Universität von Kalifornien und der Longview Collective Investmentfonds teilten am Montag mit, die in Los Angeles eingereichte Klage richte sich unter anderem gegen Firmenchef Richard Parsons sowie Chairman Steve Case und Vize-Chairman Ted Turner, die beide für Mai ihren Rücktritt angekündigt hatten.

"Tricks, Listigkeiten und gefälschte Transaktionen"

Die Kläger werfen den Managern vor, fast eine Milliarde Dollar durch den Verkauf von Aktien verdient zu haben, nachdem sie durch "Tricks, Listigkeiten und gefälschten Transaktionen" den Kurs künstlich in die Höhe getrieben hätten. AOL-Sprecher waren zunächst nicht erreichbar. AOL-Aktien stiegen im Verlauf im Markttrend rund 0,6 Prozent auf 12,38 Dollar.

Überzogen

Den Klägern zufolge wurde das Ergebnis der damals noch unabhängigen Internet-Sparte America Online (AOL) von 2000 bis 2001 um fast eine Milliarde Dollar zu hoch angegeben. Zudem seien die Zahl der Online-Kunden sowie die Einnahmen durch elektronischen Handel und Werbung überzogen dargestellt worden.

Allein die damals fünf hochrangigsten AOL-Manager hätten nach der erfolgreichen Fusion 35 Mio. Aktienoptionen im Wert von insgesamt 1,7 Mrd. Dollar veräußert. Als Folge der Fusion verlor die Universität von Kalifornien nach eigener Darstellung 450 Mio. Dollar. Der Aktienkurs von AOL Time Warner ist in den vergangenen beiden Jahren drastisch eingebrochen.

Kein Kommentar

Von der Klage sind auch die Wirtschaftsprüfer von AOL Time Warner, Ernst & Young, sowie der ehemalige Chef Gerald Levin betroffen. Auch die Finanzberater des Medienkonzerns - Morgan Stanley und die Citigroup-Tochter Salomon Smith Barney - werden erwähnt. Deren Sprecher waren zunächst nicht zu erreichen oder nahmen zu den Vorwürfen keine Stellung.

AOL Time Warner sieht sich bereits mit Bilanzprüfungen der US-Börsenaufsicht (SEC) im Zusammenhang mit Fehlbuchungen konfrontiert. Im Oktober teilte die Firma mit, sie werde ihre Ergebnisse für einen Zeitraum von zwei Jahren revidieren, wodurch die Einkünfte in diesem Zeitraum um 190 Mio. Dollar sinken würden. Chairman Case hatte im Jänner angesichts wachsender Aktionärskritik an der schwachen Geschäftsentwicklung der Internet-Sparte seinen Rücktritt angekündigt.(APA/Reuters)

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