Wiener Kredite für Sanierungen verspielt

14. April 2003, 20:23
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Ein Spieler wollte sich selbst sanieren - jetzt fehlen vier Millionen Euro für die Sanierung von Gemeindebauten

Wien - Der Geschäftsführer eines der größten Wiener Sanierungsunternehmen hatte als einer der Zuverlässigsten und Besten in der Branche gezählt. Ein Unternehmen, das für Wiener Wohnen in den letzten 15 Jahren als "Baubetreuer" ein Sanierungsvolumen von insgesamt 180 Millionen Euro abgewickelt hatte.

Bis eines Tages eine eigenartige größere Überweisung auffiel: Für den Abschluss eines Auftrages war ein größerer Betrag vom Konto einer anderen, noch laufenden Sanierung eingezahlt worden.

Sonderuntersuchung veranlasst

Bei Wiener Wohnen wurde daraufhin eine Sonderuntersuchung veranlasst - und nach und nach kam das volle Ausmaß derartiger Ungereimtheiten ans Tageslicht: In Summe ist der Verbleib von vier Millionen Euro offen. Oder zumindest war er das bis Montagvormittag: Denn zum Wochenbeginn habe der Geschäftsführer des fraglichen Unternehmens angegeben, er habe die fehlenden Beträge verspielt, hieß es im Büro von Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP). Die Staatsanwaltschaft wurde informiert, die Wirtschaftspolizei wegen des Verdachts der Veruntreuung eingeschaltet.

"Baubetreuer" werden bei großen und komplexen Sanierungsprojekten eingesetzt. Sie sind Fachunternehmen, die im Auftrag der Stadt das gesamte Sanierungsprojekt, von der Planung, Abstimmung mit den Mietern über Ausschreibung, Beauftragung von Einzelfirmen, Kontrolle der Durchführung der Arbeiten bis hin zur Endabrechnung und Gewährleistungsfragen abwickeln.

Zehn-Jahres-Projekte

Dieser Prozess, bis ein Projekt endgültig abgeschlossen ist, nimmt im Schnitt zehn Jahre in Anspruch. Die für die Sanierung notwendigen Mittel stellt die Stadt im Rahmen von so genannten Sachkrediten zur Verfügung. Nun besteht der Verdacht, dass von diesen Sachkrediten insgesamt vier Millionen Euro abgezweigt wurden.

Wobei Seitens Faymanns betont wird, dass den Mietern kein Schaden entstanden sei - sondern lediglich der Stadt. Der Geschäftsführer des betroffenen Baubetreuungs- Unternehmens habe angegeben, einen Teil der Sachkredite für seine Spielschulden verwendet zu haben - und die fehlende Summe von den Sachkrediten der neuen Projekte überwiesen. So summierten sich die Fehlbeträge von Projekt zu Projekt. Was für die Mieter der einzelnen Wohnhausanlagen keinen Unterschied machte. Da für die Endabrechnung der Sanierung nur die tatsächlich erfolgten und durch Rechnungen belegten Leistungen zu tragen kommen.

Ein letztes Angebot

Der Geschäftsführer des Baubetreuungs-Unternehmens habe am Montag angeboten, ein Viertel des Schadens - also eine Millione Euro - durch Einkünfte aus anderen Aufträgen sofort wieder gutzumachen. Beziehungsweise wollte er Ende des Jahres den Rest zurückzuzahlen. Dies wurde seitens der Stadt mit großer Skepsis aufgenommen, den Rest sollen Wirtschaftspolizei und Staatsanwalt klären.

Zum Vergleich: In den vergangenen 15 Jahren hat die Stadt Wien für die Instandsetzung und Erneuerung seiner Gemeindebauten Sanierungen im Wert von 3,3 Milliarden Euro in Auftrag gegeben. (Roman Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2003)

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