Die Post bringt neue Polizisten

8. Juni 2010, 20:57
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Auch Justizministerium heuert nun Expostler an

Wien - Wolfgang Lacher, bis vor kurzem noch Beamter hinterm Postschalter, hat die erste Gelegenheit wahrgenommen: Nun ist er bei der Polizei. Denn: "Bei uns ist immer was los" , schwärmt er. "Bei uns" ist die Polizeidienststelle in Ottakring, wo Lacher jetzt Anzeigen aufnimmt und im Außendienst als Schülerlotse tätig ist. Der Neo-Polizist sagt: "Ich würde nicht mehr zurückgehen."

Bis Ende 2010 sollen so wie Lacher 1000 ehemalige Postler die Polizei, die unter Personalmangel leidet, unterstützen - bisher haben nur rund 300 von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), die am Dienstag dem Ministerrat einen entsprechenden Bericht vorlegte, ist jedoch optimistisch, das gesteckte Ziel zu erreichen.

Bisher sind 250 ehemalige Post- und Telekommitarbeiter bereits für die Polizei im Einsatz oder in Ausbildung. Rund acht Wochen dauert die Umschulung, die eine theoretische Ausbildung und EDV-Schulungen umfasst. Nur unter zehn Prozent der Neo-Polizeibeamten steigen wieder aus. Im Bewerbungsverfahren liegt die Drop-out-Quote allerdings viel höher:Etwa 50 Prozent der Polizei-Anwärter springen ab oder werden erst gar nicht genommen. Laut Innenministerium sind sowohl Über- als auch Unterqualifizierung die häufigsten Gründe.

Auch das Justizministerium will nun Ex-Postler anheuern. Zehn hat das Ressort bereits eingestellt, um Staatsanwälten Verwaltungsarbeiten abzunehmen, weitere 25 sollen folgen.

Soldaten für Wien gefordert

Just vor dem Wiener Wahlkampf sehen ÖVP-Staatssekretärin Christine Marek und ihre Parteikollegin, Innenministerin Maria Fekter, insbesondere bei Wiens Polizei Personalmangel: Sie fordern den Einsatz von Militärpolizei zur Unterstützung in der Bundeshauptstadt. Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) lehnte am Dienstag strikt ab. (Gerda Mackerle/DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2010)

 

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