Die zwei Gesichter des G. W.

8. Juni 2010, 19:04
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Der deutsche Vizekanzler war für souveräne Auftritte noch nie sonderlich berühmt

Der deutsche Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle war für souveräne Auftritte noch nie sonderlich berühmt. Zunächst wollte er bei der ersten Pressekonferenz anlässlich seines hohen Amtes partout nicht Englisch sprechen. Als er dann bei nächster Gelegenheit Englisch gesprochen hat, war es auch nicht besser - das Fernsehen hat es schonungslos dokumentiert. Es wird ihm einfach nicht leicht gemacht. Und jetzt obliegt es dem Mann auch noch, das 80-Milliarden-Sparpaket, das sich seine Regierung jüngst ausgedacht hat, so zu argumentieren, dass nicht wieder die sprichwörtlichen Tomaten fliegen.

Die ARD testete das Montagabend in den Tagesthemen: Moderatorin Susanne Holst befragte den FDP-Politiker, wie es dazu kommen konnte, dass sich Westerwelles Steuersenkungszusagen innerhalb von sechs Wochen ganz verkehrt haben, nämlich in eklatante Sozialkürzungen (u. a. werden Heizkostenzuschüsse für Hartz-IV-Empfänger gestrichen).

Für solche Fälle schickt man im ORF Ingrid Thurnher ins Studiointerview, die üblicherweise mit einer bis an die Zähne bewaffneten Herzlichkeit auf sachdienliche Politiker-Antworten insistiert. Die ARD nützte dafür das Screensplitting und zeigte in der linken Bildhälfte jenen Westerwelle, der sechs Wochen zuvor Steuerversprechungen machte, und in der rechten (aktuellen) Bildhälfte, wie sich diese live in heiße Luft auflösen. Die zwei Gesichter des Guido Westerwelle: Solche Eindrücklichkeit erzeugt nur das Fernsehen.

Und Hauptsache, der Vizekanzler hat nicht wieder gesagt: "We could learn, that the cue for a successful wellfare state [...] is the will to reach very ambitious aims". (Margarete Affenzeller/DER STANDARD; Printausgabe, 9.6.2010)

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    Westerwelle.

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