Investor Nicolas Berggruen

8. Juni 2010, 19:01
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Der Milliardär und Kunstsammler als Kaufhauskönig kauft die Karstadt-Warenhäuser

Er besitzt Immobilien, Windparks, Reisfelder, eine Kunstsammlung, aber er hat kein wirkliches Zuhause. In den USA, wo der Milliardär Nicolas Berggruen lebt, wird er als "obdachlos" geführt. Vor Jahren hat er all seine Luxuswohnungen verkauft und lebt seither im Hotel. "Berlin, Istanbul, New York, zu Hause bin ich überall", sagt Berggruen.

Jetzt kommt zu seinem Besitz noch einiges dazu, aber es ist wieder nichts zum Wohnen: Der 48-Jährige bekam den Zuschlag für die insolvente deutsche Traditions-Warenhauskette Karstadt. Diese will der Investor mit deutschen Wurzeln jetzt "wieder auf Kurs bringen", ohne dabei massiv Stellen zu kürzen.

Der Name Berggruen ist in Deutschland ein sehr wohlklingender. Berggruens Vater Heinz war einer der bedeutendsten deutschen Kunstsammler. 1936 musste er vor den Nazis flüchten und kehrte erst 60 Jahre später in seine Heimatstadt Berlin zurück. Dieser schenkte er als "Geste der Versöhnung" seine Kunstsammlung (Picasso, Matisse, Klee, Cézanne).

Sohn Nicolas wird 1961 in Paris geboren, seine Mutter ist die Schauspielerin Bettina Moissi. Kunst interessiert den Filius ebenfalls. Er sammelt nicht nur Werke von Andy Warhol, Francesco Clemente und Anselm Kiefer, sondern engagiert sich auch für das Berliner Berggruen Museum, das Los Angeles County Museum of Art und die Londoner Tate Gallery.

Mit 17 Jahren geht er nach New York, studiert Finanzwissenschaften und Internationales Business. Kurz darauf macht er mit Investments ein Vermögen und beginnt neben Kunst auch andere Wertanlagen zu sammeln. Er investiert in Immobilien, Medien, Brillen und in eine Ethanolkraftstofffabrik. In Berlin und Potsdam lässt er historische Gebäude sanieren. Das US-Magazin Forbes reiht ihn auf Platz 437 der weltweit reichsten Menschen und schätzt sein Vermögen auf rund 1,8 Mrd. Euro.

Sein Interesse für Karstadt hat viele überrascht. Denjenigen entgegnete Berggruen: "Wenn jetzt der Eindruck entsteht, hier will ein Überflieger das schnelle Geld machen, so ist das falsch." Verstärkt setzt der gutaussehende "Dandy" (spiegel-online) in den vergangenen Jahren auf "Werte statt Wert". Dass er nicht nur Exklusives fördert, zeigte Berggruen 2007. Da übernahm er Teile des insolventen deutschen Möbelherstellers Schieder und rettete 3500 Jobs. Jetzt ist die "alte Dame" Karstadt (Berggruen) zum Facelifting dran. (Birgit Baumann, DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2010)

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