Auf, auf zum Pilgern

8. Juni 2010, 18:51
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Wird Gusenbauer geläutert in die Politik zurückkehren? Wohin wird Werner Faymann dereinst pilgern?

Der neue japanische Premier Naoto Kan hat es getan. 2004: Zuvor war er als Chef der Demokraten nach einem Rentenskandal zurückgetreten. (Ja, gibt es.) Der Mann ging also auf Pilgerreise. Schor sich den Kopf kahl, schlug sich bei Hitze wie Regen zu den 88 buddhistischen Tempeln der Insel Shikoku durch. Geläutert kehrte er zurück - in die Politik.

Ein sportlich wie politisch ambitioniertes Läuterungsmodell. Schade nur, dass es so gar nicht für Österreich passt, weil Politiker hierzulande rücktrittsresistent sind. Wenn schon wer zurücktritt, dann meist die Falschen, fähige Bankerinnen etwa.

Aber es wäre nicht Österreich, hätten wir nicht trotzdem unsere Pilger. Alfred Gusenbauer etwa. Wobei, er kann immerhin auf einen kleinen Rücktritt verweisen: aus dem Aufsichtsrat einer Baugesellschaft in den Aufsichtsrat einer viel größeren Baugesellschaft.

Der Ex-Kanzler wandelte also den Jakobsweg entlang nach Santiago de Compostela. Nicht ungewöhnlich für 50-Jährige, aber irgendwie doch anders. Denn beim Ex-SPÖ-Chef durften wir dabei sein, dank seiner Aufgeschlossenheit gegenüber Medien, denen Pilgerfotos von "Gusi" , seinem Freund und dessen Hund zur Veröffentlichung überlassen wurden.

Gespannt warten wir nun. Wird Gusenbauer (siehe Japan) geläutert in die Politik zurückkehren? Wohin wird Werner Faymann dereinst pilgern?

Aber, vor allem: Warum müssen Hunde pilgern? (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2010)

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